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Francesco Petrarca
Il Canzoniere - Texte CCLXXIV bis CCCLXVI

Sommer

Die deutschen Texte im Sommerblock bieten Übersetzungen der Canzoniere-Texte CCLXXIV bis CCCLXVI - in Sonettform, doch ohne Reim und formal korrekten Rhythmus (um diese habe ich mich im Herbst-Block bemüht), inhaltlich und im Ton dagegen möglichst nahe an der Vorlage. Wohlgemerkt möchte ich dabei keine Interlinearübersetzung bieten, sondern Übersetzungen, die auch im Klang Petrarcas Leistung zu bewahren suchen. Der Sommer ("estate") kommt in den Sonetten des Canzoniere selten wörtlich vor. Er ist auch nicht die Jahreszeit, die Petrarcas Anliegen bildlich besonders stützen könnte, geht es ihm doch - zumindest vordergründig - primär um eine unerfüllte Liebe und den damit verbundenen Liebesschmerz, das seelische Leiden. Und doch gibt es gerade in den letzten Gedichten des Zyklus (allesamt der Abteilung "In morte di madonna Laura" zugehörig) starke Bilder von Hitze, Überschwang, Kampf, strahlendem Sonnenlicht und Fülle, die mit Sommer assoziiert werden können. Auch findet sich eine der wenigen expliziten Erwähnungen des Sommers (adjektivisch) in diesem Block, in CCLXXIX.

Mit dem Sommerblock endete mein Canzoniere-Projekt am 31. August 2013. Da 2013 kein Schaltjahr war, ist der letzte Text des Canzoniere mit der Nummer CCCLXVI keinem eigenen Tag zugeordnet. Es handelt sich um die Canzone an die Jungfrau Maria. Es mag irritieren, dass in meiner Jahreszeiten-Einteilung die Texte der Abteilung "In morte die madonna Laura" fast alle (mit Ausnahme von CCLXVII bis CCLXXIII - sieben Texte, die ans Ende des Frühlingsblocks zu stehen kamen) dem Sommer zugeordnet sind, nicht dem Winter, der bildlich dem Tod eher entspricht. Man darf dies dem Zufall zuschreiben, der mich im September 2012 hat beginnen lassen mit der Arbeit am Canzoniere. Doch gibt es für eine solche Zuordnung, wollte man sie bewußt vornehmen, durchaus auch inhaltliche Gründe. Hat Petrarca doch im letzten Viertel seines Canzoniere Texte versammelt, die von besonderer Intensität und imaginierter Nähe zur Geliebten geprägt sind. Auch wenn er nun gehäuft von "Tod" und seiner Todessehnsucht spricht (man lese hierzu insbesondere den Text CCCXXXII, die "Sestina doppia"), gestaltet er desgleichen, erinnernd und vergegenwärtigend, Bilder aus der Fülle seines Lebens.
Nennen wir es, mit einem etwas hilflosen Wort, "Dialektik", was so geschieht.

autor: hartmut schönherr


CCLXXIV


Datemi pace, o duri miei pensieri:
non basta ben ch’Amor, Fortuna et Morte
mi fanno guerra intorno e ’n su le porte,
senza trovarmi dentro altri guerreri?

Et tu, mio cor, anchor se’ pur qual eri,
disleal a me sol, che fere scorte
vai ricettando, et se’ fatto consorte
de’ miei nemici sí pronti et leggieri?

In te i secreti suoi messaggi Amore,
in te spiega Fortuna ogni sua pompa,
et Morte la memoria di quel colpo

che l’avanzo di me conven che rompa;
in te i vaghi pensier’ s’arman d’errore:
perché d’ogni mio mal te solo incolpo.



01. Juni 2013


Gebt mir Frieden, ihr lästigen Gedanken -
genügt es denn nicht, dass Amor, Fortuna und Gevatter Tod
mich mit Krieg umstellen und meine Pforten stürmen,
muss ich in mir noch Widersacher finden?

Und du, mein Herz, bist du noch immer
treulos und eilst zum Empfang des
wilden Zuges, hast dich verschworen
mit meinen Feinden so rasch und leichtfertig?

In dir flüstert Amor seine geheimen Botschaften,
in dir erklärt Fortuna ihr ganzes Füllhorn
und der Tod verkündet das Gedächtnis des Hiebs,

dem es gefiel, zu brechen, was mir blieb;
in dir wappnen sich die Hoffnungen mit Irrsinn:
weshalb ich dir allein die Schuld an jedem meiner Übel gebe.




Ein äußerst moderner Text, der beginnt mit der flehenden Bitte an den beunruhigenden Strom der eigenen Gedanken: "Datemi pace, o duri miei pensieri" - in heutige Sprache übertragen etwa: "Lass mich doch endlich in Ruhe, du quälendes Gekreise in meinem Kopf". Das bürgerliche Zeitalter beginnt auch mit der Last einer beständigen Selbstreflexion, von Nietzsche 550 Jahre später im Wunsch besiegelt, doch endlich vergessen zu können, Stille der Gedanken zu finden.

Die Bilder des ersten Quartetts sind beeindruckend. Da werden die Liebe, das Schicksal/der Zufall und der Tod angeführt als Reigen, der das Subjekt umstellt und bedrängt, mit "guerra", Krieg bedroht und wie eine Festung belagert. Das Subjekt als Festung, eine unglaublich prägnante Bildschöpfung, die Petrarca hier im 14. Jahrhundert gelingt! Und diese Festung ist nur einzunehmen, wenn "innen" es zum Aufruhr kommt, im "Herzen". Das Herz, Sitz der Liebe für Petrarca und bis in die Gegenwart, verschwört sich mit den Belagerern und macht die Festung so sturmreif.

Das Herz sei es, was unklare Gedanken vollends verwirrt und die Autonomie, den Absolutheitsanspruch des Subjektes auf Selbstbestimmung, verhöhnt, untergräbt, in die Irre gehen lässt. Dies wird im zweiten Quartett bildstark ausgeführt. Und das erste Terzett, im Sonett häufig als Widerspruch, Einspruch zumindest zum zuvor Gesagten gestaltet, wird dies auch nochmals verdichtet ausgeführt. Die Liebe flüstere dem Herzen Begehren ein, Fortuna erfülle das Herz mit Hoffnungen auf Gewinne (man schaue sich nur einmal heute die Lotto-Werbung mit astronomischen Jackpot-Summen an), der Tod mache dem Herzen Angst und veranlasse es dazu, das Subjekt an seine Vergänglichkeit und die seiner begehrten Objekte zu erinnern.

Auch im zweiten Terzett wird dies fortgeführt. Und so lautet denn der Schuldspruch zum Ende des Sonettes, an das "cuore" gerichtet: "d'ogni mio mal te solo incolpo" - "für alle meine Übel mache ich alleine dich verantwortlich". Die Gedanken also, die zu Beginn angesprochen werden, sind nicht das eigentliche Übel, sondern das "Herz" mit seinem Begehren, seinen Wünschen und Ängsten, die aus unklaren Gedanken erst eine Bedrohung der Autonomie, der Selbstverfügung machen.

Weitere Petrarca-Interpretationen auf meiner Interpretationen-Seite >>>

Datemi pace, o duri miei pensieri


CCLXXV


Occhi miei, oscurato è ’l nostro sole;
anzi è salito al cielo, et ivi splende:
ivi il vedremo anchora, ivi n’attende,
et di nostro tardar forse li dole.

Orecchie mie, l’angeliche parole
sonano in parte ove è chi meglio intende.
Pie’ miei, vostra ragion là non si stende
ov’è colei ch’esercitar vi sòle.

Dunque perché mi date questa guerra?
Già di perdere a voi cagion non fui
vederla, udirla et ritrovarla in terra:

Morte biasmate; anzi laudate Lui
che lega et scioglie, e ’n un punto apre et serra,
e dopo ’l pianto sa far lieto altrui.



02. Juni 2013


Ihr meine Augen, es dunkelt unsre Sonne;
nein, sie ist auf zum Jenseits, dort scheint sie nun:
dort sehen wir sie einst, dort wartet sie auf uns,
und es mag sein, dass sie uns schon vermisst.

Ihr meine Ohren, die Engelszungen
tönen nun dort, wo man sie besser kennt.
Ihr meine Füße, dorthin kommt ihr nicht
wo jene lebt, die euch belebte.

So lasst mich doch in Frieden, warum streitet ihr?
Ich bin nicht schuld daran, dass ihr verloren habt
was ihr gesehen, angehört und nah gefühlt auf Erden:

Beschimpft den Tod; nein, preist Ihn
der löst und bindet, der öffnend schließt im Nu,
und der nach Tränen Trost zu spenden weiß.

 


CCLXXVI


Poi che la vista angelica, serena,
per súbita partenza in gran dolore
lasciato à l’alma e ’n tenebroso horrore,
cerco parlando d’allentar mia pena.

Giusto duol certo a lamentar mi mena:
sasse 'l chi n’è cagione, et sallo Amore,
ch’altro rimedio non avea ’l mio core
contra i fastidi onde la vita è piena.

Questo un, Morte, m’à tolto la tua mano;
et tu che copri et guardi et ài or teco,
felice terra, quel bel viso humano,

me dove lasci, sconsolato et cieco,
poscia che ’l dolce et amoroso et piano
lume degli occhi miei non è piú meco?



03. Juni 2013


Nachdem der Lichtblick, heiter, engelsgleich,
so rasch und schmerzhaft, unerwartet
zurück die Seele ließ in Finsternis und Schrecken,
fliehe ich wortreich meine Pein.

Was mich nun klagen lässt ist keine Nichtigkeit -
das weiß, wer tiefer schaut, das weiß auch Amor,
denn nichts und niemand konnte je mein Herz
versöhnen sonst mit all des Lebens Widrigkeiten.

Dein Griff, Gevatter Tod, hat mir geraubt die Eine;
und du, die du nun deckst und schützt und birgst in dir,
glückliche Erde, dieses schönen Menschen Antlitz,

wo hast du einen Ort für mich, untröstlich, blind,
nachdem das süße, liebevolle, schlichte Licht
nun meinen Augen nicht mehr leuchtet?
   


CCLXXVII


S’Amor novo consiglio non n’apporta,
per forza converrà che ’l viver cange:
tanta paura et duol l’alma trista ange,
che ’l desir vive, et la speranza è morta;

onde si sbigottisce et si sconforta
mia vita in tutto, et notte et giorno piange,
stanca senza governo in mar che frange,
e ’n dubbia via senza fidata scorta.

Imaginata guida la conduce,
ché la vera è sotterra, anzi è nel cielo,
onde piú che mai chiara al cor traluce:

agli occhi no, ch’un doloroso velo
contende lor la disïata luce,
et me fa sí per tempo cangiar pelo.



04. Juni 2013


Wenn Amor keinen Rat mehr hat zu bringen,
bleibt weiter nichts als all mein Tun zu wenden:
so viele Furcht, solch Schmerz bedrängt die Seele,
dass nur noch Mangel, keine Hoffnung lebt mehr;

daher entmutigt und entweiht sich
mein Leben völlig, bei Tag und Nacht nur Weinen,
müde und haltlos treibt es auf den Brechern
des Meeres, geleitlos, ziellos immer weiter.

Eine Führung bleibt ihm, ein Gebilde
das aus dem Grab spricht, nein, vom Himmel,
wo es, klarer denn je, zum Herzen leuchtet:

nicht zu den Augen, nein, da bleibt ein Schleier nur
von Schmerz, ein Trost aus Schatten,
und für mich bleibt, dass meine Haare grauen.
 


CCLXXVIII


Ne l’età sua piú bella et piú fiorita,
quando aver suol Amor in noi piú forza,
lasciando in terra la terrena scorza,
è l’aura mia vital da me partita,

et viva et bella et nuda al ciel salita:
indi mi signoreggia, indi mi sforza.
Deh perché me del mio mortal non scorta
l’ultimo dí, ch’è primo a l’altra vita?

Ché, come i miei pensier’ dietro a lei vanno,
cosí leve, expedita et lieta l’alma
la segua, et io sia fuor di tanto affanno.

Ciò che s’indugia è proprio per mio damno,
per far me stesso a me piú grave salma.
O che bel morir era, oggi è terzo anno!



05. Juni 2013


In der schönsten Blüte ihrer Jahre,
wenn Amor uns regiert mit Macht,
der Erde ihre irdische Hülle überlassend,
ist meines Lebens Braut von mir gegangen,

um lebend, schön und ohne Scham zum Himmel aufzusteigen:
von dort beherrscht sie mich, von dort bezwingt sie.
Warum befreit mich nicht von meiner Hülle
der letzte Tag, der erste eines andern Lebens?

Damit, wie mein Gedenken ihr geht hinterher,
so frei, so luftig und so froh die Seele
ihr folgen kann, und ich der Drangsal frei sei.

Alles, was Aufschub bringt ist nur zum Schaden,
und macht mich selbst für mich noch mehr zur Bürde.
Oh, welch schönes Sterben war dies, heute vor zwei Jahren!
  


CCLXXIX


Se lamentar augelli, o verdi fronde
mover soavemente a l’aura estiva,
o roco mormorar di lucide onde
s’ode d’una fiorita et fresca riva,

là ’v’io seggia d’amor pensoso et scriva,
lei che ’l ciel ne mostrò, terra n’asconde,
veggio, et odo, et intendo ch’anchor viva
di sí lontano a’ sospir’ miei risponde.

"Deh, perché inanzi ’l tempo ti consume?
- mi dice con pietate - a che pur versi
degli occhi tristi un doloroso fiume?

Di me non pianger tu, ché’ miei dí fersi
morendo eterni, et ne l’interno lume,
quando mostrai de chiuder, gli occhi apersi."



06. Juni 2013


Wenn Vögel zetern oder grüne Haine
im Sommeranhauch sanft sich wiegen,
und Kiesel klirren unter hellen Wellen
man hört am blühenden, erfrischten Ufer,

dort wo ich liebend denke, sitze, schreibe,
die eine, die der Himmel zeigt, die Erde birgt,
sehe und höre ich, verstehe, dass sie lebt noch
von so weit her den Seufzern, meinen, Antwort gibt.

"Ach, warum willst du vor der Zeit verderben?"
- spricht sie zu mir voll Mitleid - "Wozu verströmst du
aus kummervollen Augen eine Flut von Schmerz?

Wein' nicht um mich, denn meine Tage sind
im Tod zur Ewigkeit geworden, und innen leuchtet Licht
den Augen, die nach außen sich verschlossen."

 


CCLXXX


Mai non fui in parte ove sí chiar vedessi
quel che veder vorrei poi ch’io nol vidi,
né dove in tanta libertà mi stessi,
né ’mpiessi il ciel de sí amorosi stridi;

né già mai vidi valle aver sí spessi
luoghi da sospirar riposti et fidi;
né credo già ch’Amor in Cipro avessi,
o in altra riva, sí soavi nidi.

L’acque parlan d’amore, et l’òra e i rami
et gli augelletti et i pesci e i fiori et l’erba,
tutti inseme pregando ch’i’ sempre ami.

Ma tu, ben nata, che dal ciel mi chiami,
per la memoria di tua morte acerba
preghi ch’i’ sprezzi ’l mondo e i suoi dolci ami.



07. Juni 2013


Nie war ich andernorts, wo derart klar zu sehen
war das, was ich zu sehen sehne und nun misse,
noch, wo in solcher Freiheit ich mich regte,
noch, wo der Himmel offen stand den Liebesklagen;

noch sah ich Täler, derart reich an Plätzen,
die Seufzer treu, verborgen aufbewahren;
noch glaub' ich, dass Amor auf Zypern hatte,
oder an andrer Küste, solch' behaglich Nest.

Die Wasser sprechen von der Liebe, die Luft, die Zweige
und auch die Vögel und die Fische und die Blumen und die Kräuter,
sie alle bitten mich, nicht nachzulassen in der Liebe.

Doch du, so hochgeboren, die mich ruft vom Himmel,
zur Ehre deines bittern Todes
bitte für mich, dass ich die Welt und ihren süßen Tand nicht achte.
Mai non fui in parte ove sí chiar vedessi


CCLXXXI


Quante fïate, al mio dolce ricetto
fuggendo altrui et, s’esser pò, me stesso,
vo con gli occhi bagnando l’erba e ’l petto,
rompendo co’ sospir’ l’aere da presso!

Quante fïate sol, pien di sospetto,
per luoghi ombrosi et foschi mi son messo,
cercando col penser l’alto diletto
che Morte à tolto, ond’io la chiamo spesso!

Or in forma di ninpha o d’altra diva
che del piú chiaro fondo di Sorga esca,
et pongasi a sedere in su la riva;

or l’ò veduto su per l’erba fresca
calcare i fior’ com’una donna viva,
mostrando in vista che di me le ’ncresca.


08. Juni 2013


Wie viele Male, in meiner sanften Zuflucht,
den anderen entflohen und, wärs möglich, auch mir selbst,
bad' ich die Wiesen und die Brust mit meinen Augen,
die Lüfte mit den lauten Seufzern störend!

Wie viele Male hab' ich, einsam, voller Zweifel,
durch dunkle, zugewachs'ne Orte mich gewagt,
die holde Lust dort in Gedanken suchend,
die mir der Tod genommen hat, die ich nun rufe!

Bald sah ich sie als Nymphe oder andre Gottheit,
die aus der Sorgue, dem klarsten Grund sich hob
und sich am Ufer einen Sitzplatz suchte;

bald sah ich sie auf frischer Wiese schreiten,
die Blumen knickend, gleich einer Frau, die lebt,
im Blick mir zeigend, dass für mich sie auftrat.

 


CCLXXXII


Alma felice che sovente torni
a consolar le mie notti dolenti
con gli occhi tuoi che Morte non à spenti,
ma sovra ’l mortal modo fatti adorni:

quanto gradisco che’ miei tristi giorni
a rallegrar de tua vista consenti!
Così comincio a ritrovar presenti
le tue bellezze a’ suoi usati soggiorni,

là ’ve cantando andai di te molt’anni,
or, come vedi, vo di te piangendo:
di te piangendo no, ma de’ miei danni.

Sol un riposo trovo in molti affanni,
che, quando torni, te conosco e ’ntendo
a l’andar, a la voce, al volto, a’ panni.



09. Juni 2013


Seliger Geist, der du so oft zurückkehrst
um meine Nächte voller Schmerz zu trösten
mit deiner Augen Licht, das auch der Tod nicht löschte,
das vielmehr über ihn hinaus noch prächtiger geworden:

wie dankbar bin ich, dass du, meine tristen Tage
mit deinem Anblick aufzuheitern, frei bist!
So finde ich ganz gegenwärtig, Schritt für Schritt
an alten Aufenthalten deine Schönheit wieder,

dort, wo ich viele Jahre preisend umging,
gehe ich nun, du siehst es, weinend:
nicht um dich weinend, nein, um meine Schwächen.

Nur einen Trost find' ich in aller Unbill,
dass ich, wenn du nun kommst, dich kenne und erkenne
am Schritt, am Antlitz, an der Stimme, Kleidung.
 


CCLXXXIII


Discolorato ài, Morte, il piú bel volto
che mai si vide, e i piú begli occhi spenti;
spirto piú acceso di vertuti ardenti
del piú leggiadro et più bel nodo ài sciolto.

In un momento ogni mio ben m’ài tolto,
post’hai silenzio a’ piú soavi accenti
che mai s’udiro, et me pien di lamenti:
quant’io veggio m’è noia, et quand’io ascolto.

Ben torna a consolar tanto dolore
madonna, ove Pietà la riconduce:
né trovo in questa vita altro soccorso.

Et se come ella parla, et come luce,
ridir potessi, accenderei d’amore,
non dirò d’uom, un cor di tigre o d’orso.



10. Juni 2013


Beraubt der Farben hast du, Tod, das schönste Antlitz
das je gesehn war, die schönsten Augen auch gelöscht;
den Geist, der aufrecht brannte mehr denn alle andern
vom leichtesten und schönsten Band gelöst.

In einem Nu hast du mir all mein Gut genommen,
ins Schweigen überführt die sanfteste der Stimmen
die je man kannte, und mich ins Tal des Jammers:
mich ödet an, was immer ich nun sehe, und was ich hör'.

Wohl kehrt sie wieder, Trost dem Schmerz zu bringen,
die Herrin, an den Ort, wohin das Mitleid ruft -
und andre Hilfe find' ich nicht in diesem Leben.

Und wenn ich, wie sie spricht, sie leuchtet
sagen könnte, entflammte ich zur Liebe
nicht nur der Menschen, auch der Tiger oder Bären Herz.



CCLXXXIV


Sí breve è ’l tempo e ’l penser sí veloce
che mi rendon madonna cosí morta,
ch’al gran dolor la medicina è corta:
pur, mentr’io veggio lei, nulla mi nòce.

Amor, che m’à legato et tienmi in croce,
trema quando la vede in su la porta
de l’alma ove m’ancide, anchor sí scorta,
sí dolce in vista et sí soave in voce.

Come donna in suo albergo altèra vène,
scacciando de l’oscuro et grave core
co la fronte serena i pensier’ tristi.

L’alma, che tanta luce non sostene,
sospira et dice: - O benedette l’ore
del dí che questa via con li occhi apristi! -



11. Juni 2013


So kurz ist die Zeit und der Gedanke flüchtig,
die mir die tote Herrin geben,
dass für den großen Schmerz die Kur nicht ausreicht -
und doch, sehe ich sie, kann nichts mir fehlen.

Amor, der mich gebunden hält und an das Kreuz geschlagen,
erbebt, wenn er sie dort am Eingang sieht
zu meiner Seele, wo sie mich läutert, so stolz wie einst,
so süß das Antlitz und so sanft die Stimme.

Sie kommt wie eine Fürstin in ihr eigen Heim,
treibt aus dem dunklen, schweren Herzen
mit leichter Stirn die traurigen Gedanken.

Die Seele, die so großes Licht nicht aushält,
seufzt auf und spricht: "Gesegnet sei der Tag
an dem du diesen Weg mit deinen Augen auftatst!"
  Sí breve è ’l tempo e ’l penser sí veloce


CCLXXXV


Né mai pietosa madre al caro figlio
né donna accesa al suo sposo dilecto
die’ con tanti sospir’, con tal sospetto
in dubbio stato sí fedel consiglio,

come a me quella che ’l mio grave exiglio
mirando dal suo eterno alto ricetto,
spesso a me torna co l’usato affecto,
et di doppia pietate ornata il ciglio:

or di madre, or d’amante; or teme, or arde
d’onesto foco; et nel parlar mi mostra
quel che ’n questo vïaggio fugga o segua,

contando i casi de la vita nostra,
pregando ch’a levar l’alma non tarde:
et sol quant’ella parla, ho pace o tregua.



12. Juni 2013


Nie brachte je ein Mutterherz dem teuren Sohn
nie eine treue Frau dem einzigen Geliebten
mit so viel Seufzern, so viel Bangen dar
in Zweifeln solchen guten Ratschlag,

wie jene mir, die mich in der Verbannung
aus ihrer ewig hohen Zuflucht anschaut,
und die oft zu mir kehrt in so vertrauter Neigung,
geschmückt zweifach mit Mitleid ihren Lidschlag:

Einmal als Mutter, dann Geliebte; einmal fürchtend, einmal brennend
von klarem Feuer; und sprechend zeigt sie auf
was sie auf dieser Reise flieht und wem sie folgt,

zählt auf die Wechselfälle unsres Lebens,
flehend, es sei noch nicht zu spät, die Seele zu erheben:
und wenn sie spricht nur, hab ich Frieden, Ruhe.




CCLXXXVI


Se quell’aura soave de’ sospiri
ch’i’ odo di colei che qui fu mia
donna, or è in cielo, et anchor par qui sia,
et viva, et senta, et vada, et ami, et spiri,

ritrar potessi, or che caldi desiri
movrei parlando! sí gelosa et pia
torna ov’io son, temendo non fra via
mi stanchi, o ’ndietro o da man manca giri.

Ir dritto, alto, m’insegna; et io, che ’ntendo
le sue caste lusinghe e i giusti preghi
col dolce mormorar pietoso et basso,

secondo lei conven mi regga et pieghi,
per la dolcezza che del suo dir prendo,
ch’avria vertú di far piangere un sasso.



13. Juni 2013


Wenn diesen leisen Hauch von Seufzern,
der mir von jener kommt, die hier einst war
die Herrin mein, die jetzt im Jenseits ist, und doch auch, scheint es, hier ist,
und lebt, und fühlt, und schreitet, liebend, atmend,

ich hätte einmal halten können, welch brennendes Begehren
könnte ich, davon sprechend, wecken! in einem fromm und eifernd
kommt sie zurück zu mir, besorgt, ich könnte auf dem Weg
erlahmen, mich rückwärts oder ab vom rechten Pfade wenden.

Sie zeigt nach oben, lehrend; und ich, der ich verstehe
ihr keusches Schmeicheln und auch ihr gerechtes Bitten,
mit süßem Flüstern anteilnehmend vorgetragen,

halte an mich, wie sie es wünscht, und beuge
mich vor der Süße, die ich aus ihrer Rede ziehe,
die wohl vermöchte einen Stein zu rühren.



CCLXXXVII


Sennuccio mio, benché doglioso et solo
m’abbi lasciato, i’ pur mi riconforto,
perché del corpo ov’eri preso et morto,
alteramente se’ levato a volo.

Or vedi inseme l’un et l’altro polo,
le stelle vaghe et lor vïaggio torto,
et vedi il veder nostro quanto è corto,
onde col tuo gioir tempro ’l mio duolo.

Ma ben ti prego che ’n la terza spera
Guitton saluti, et messer Cino, et Dante,
Franceschin nostro, et tutta quella schiera.

A la mia donna puoi ben dire in quante
lagrime io vivo; et son fatt’una fera,
membrando il suo bel viso et l’opre sante.



14. Juni 2013


Mein Sennuccio, obgleich du mich alleine und in Schmerzen
zurück gelassen hast, tröst' ich mich doch,
denn aus dem Körper, sterblich, in den man dich gezwungen hatte,
hast du dich aufgeschwungen, hoch zum Fluge.

Nun siehst mit einem Blick du beide Pole,
zugleich die fernsten Sterne, ihre krummen Bahnen,
und siehst wie kurz nur unsre Blicke greifen,
so dämpfe ich mit deiner Wonne meinen Schmerz.

Doch bitte ich dich dringlich, in der dritten Sphäre
Guitton zu grüßen, auch Meister Cino, und Dante,
unsern Franceschin und diesen ganzen Kreis.

Meiner Herrin darfst du gerne sagen, in wieviel
Tränen ich nun lebe; und dass ich rasend werde,
gedenke ich des Anblicks ihrer Züge, ihrer Tugend.




CCLXXXVIII


I’ ò pien di sospir’ quest’aere tutto,
d’aspri colli mirando il dolce piano
ove nacque colei ch’avendo in mano
meo cor in sul fiorire e ’n sul far frutto,

è gita al cielo, ed àmmi a tal condutto,
col súbito partir, che, di lontano
gli occhi miei stanchi lei cercando invano,
presso di sé non lassan loco asciutto.

Non è sterpo né sasso in questi monti,
non ramo o fronda verde in queste piagge,
non fiore in queste valli o foglia d’erba,

stilla d’acqua non vèn di queste fonti,
né fiere àn questi boschi sí selvagge,
che non sappian quanto è mia pena acerba.



15. Juni 2013


Mit Seufzern sind mir alle Lüfte schwanger,
betrachte ich von herben Hügeln dieses sanfte Tal
wo jene einst geboren, die in Händen
mein Herz trug als es blühte und gedeihte,

sie ist zum Himmel aufgestiegen, und sie traf mich so,
mit raschem Abschied, dass von fern
die müden Augen mein nach ihr vergebens suchend
im Umkreis keinen Flecken trocken lassen.

Es gibt in diesen Bergen keinen Strunk und keinen Stein,
an diesen Hängen keinen Ast und kein Gezweige,
keine Blume, auch kein Kräutlein in den sanften Tälern,

kein Tropfen Wasser kommt aus diesen Quellen,
und auch kein Wild gibt es in dieser Wildnis,
die nicht wüßten, wie mein Schmerz mich bitter quält.



CCLXXXIX


L’alma mia fiamma oltra le belle bella,
ch’ebbe qui ’l ciel sí amico et sí cortese,
anzi tempo per me nel suo paese
è ritornata, et a la par sua stella.

Or comincio a svegliarmi, et veggio ch’ella
per lo migliore al mio desir contese,
et quelle voglie giovenili accese
temprò con una visita dolce et fella.

Lei ne ringratio, e ’l suo alto consiglio,
che col bel viso et co’ soavi sdegni
faceami ardendo pensar mia salute.

O leggiadre arti et lor effetti degni,
l’un co la lingua oprar, l’altra col ciglio,
io gloria in lei, et ella in me virtute!



16. Juni 2013


Meine Seele, eine Flamme heller als alle Hellen,
die hier den Himmel hatte, so freundlich und gewogen,
ist vor der Zeit für mich in ihre Heimat
zurückgekehrt und zu dem Stern, dem ihren.

Erst jetzt erwache ich und sehe, dass sie
zu meinem Besten nur mein Wünschen abschlug,
und jene brennend jugendlichen Lüste
mäßigte mit einem süß' und strengen Urteil.

Ihr danke ich dafür, und ihrem hohen Ratschlag,
die liebevollen Auges und in sanftem Zorn
mich dazu brachte, eifrig an mein Heil zu denken.

O Künste voller Anmut, voll würdevollem Einfluss,
die eine weckt durch Worte, die andre mit dem Lidschlag,
ich Preisgesang in ihr, sie Tugendkraft in mir!



CCXC


Come va ’l mondo! or mi diletta et piace
quel che piú mi dispiacque; or veggio et sento
che per aver salute ebbi tormento,
et breve guerra per eterna pace.

O speranza, o desir sempre fallace,
et degli amanti piú ben per un cento!
O quant’era il peggior farmi contento
quella ch’or siede in cielo, e ’n terra giace!

Ma ’l ceco Amor et la mia sorda mente
mi travïavan sí, ch’andar per viva
forza mi convenia dove morte era.

Benedetta colei ch’a miglior riva
volse il mio corso, et l’empia voglia ardente
lusingando affrenò perch’io non pèra.



17. Juni 2013


So ist der Weltlauf! jetzt erfreut er mich mit dem,
was mir so sehr missfiel; jetzt sehe ich und fühle
das was zum Heil uns Qualen bringt,
und kurzen Krieg zum ewigen Gestilltsein.

O Hoffnung, o Verlangen, wie seid ihr immer trügerisch,
den Liebenden zumal noch hundertfach!
O welch ein Nachteil wäre es geworden, hätte zufrieden
sie mich gemacht, die jetzt im Himmel thront und in der Erde ruht.

Doch Amor, blinde Gottheit, und mein tauber Geist
haben mich irren lassen, dass mit ganzer Kraft
ich mich bemühte, ins Verderben mich zu führen.

Gesegnet sei sie, die zum besseren Ufer
den Lauf mir wendete, und die den frevelhaften Wunsch
im Schmeicheln zügelte, auf dass ich nicht verderbe.



CCXCI


Quand’io veggio dal ciel scender l’Aurora
co la fronte di rose et co’ crin’ d’oro,
Amor m’assale, ond’io mi discoloro,
et dico sospirando: Ivi è Laura ora.

O felice Titon, tu sai ben l’ora
da ricovrare il tuo caro tesoro:
ma io che debbo far del dolce alloro?
che se ’l vo’ riveder, conven ch’io mora.

I vostri dipartir’ non son sí duri,
ch’almen di notte suol tornar colei
che non â schifo le tue bianche chiome:

le mie notti fa triste, e i giorni oscuri,
quella che n’à portato i penser’ miei,
né di sè m’à lasciato altro che ’l nome.



18. Juni 2013


Wenn ich vom Himmel steigen seh Aurora
mit rosenfarb'ner Stirn und goldnem Haar,
ergreift mich Amor, was mich macht erbleichen,
und seufzend sage ich: Hier zeigt sich Laura.

O glücklicher Tithon, du kennst die Stunde,
wenn deinen teuren Schatz du wieder bergen darfst:
doch ich, was kann ich tun, den süßen Lorbeer zu erlangen?
wenn ich ihn wiedersehen möchte, muss ich sterben.

Wenn ihr euch trennt, so ist es nicht von Dauer,
zum mindesten zur Nacht kehrt sie zurück,
die deine weißen Haare nicht verachtet:

doch meine Nächte macht sie traurig, die Tage trübe,
jene, die all mein Sinnen mitgenommen hat,
und mir von sich den Namen nur zurückließ.



CCXCII


Gli occhi di ch’io parlai sí caldamente,
et le braccia et le mani et i piedi e ’l viso,
che m’avean sí da me stesso diviso,
et fatto singular da l’altra gente;

le crespe chiome d’òr puro lucente
e ’l lampeggiar de l’angelico riso,
che solean fare in terra un paradiso,
poca polvere son, che nulla sente.

Et io pur vivo, onde mi doglio et sdegno,
rimaso senza ’l lume ch’amai tanto,
in gran fortuna e ’n disarmato legno.

Or sia qui fine al mio amoroso canto:
secca è la vena de l’usato ingegno,
et la cetera mia rivolta in pianto.



19. Juni 2013


Die Augen, von denen ich so leidenschaftlich sprach,
die Arme und die Hände und die Füße und das Antlitz,
die mich so sehr von meinem Eigensinn getrennt
und die mich einsam machten unter andern Menschen;

das leichte Haar von leuchtend reinem Golde
das Blitzen eines engelsgleichen Lächelns,
die es vermochten hier das Paradies zu schaffen,
sind nur ein bisschen Staub noch, der nichts fühlt.

Ich aber lebe noch, weshalb ich leide und auch zürne,
da ich geblieben bin ohne das Licht, das ich so sehr geliebt,
in schwerem Sturm, auf ungeschützten Planken.

Nun endet auch mein Liebeslied:
vertrocknet ist der Strom des einst so steten Geistes,
und meine Zither wendet sich, zu weinen.




CCXCIII


S’io avesse pensato che sí care
fossin le voci de’ sospir’ miei in rima,
fatte l’avrei, dal sospirar mio prima,
in numero piú spesse, in stil piú rare.

Morta colei che mi facea parlare,
et che si stava de’ pensier’ miei in cima,
non posso, et non ò piú sí dolce lima,
rime aspre et fosche far soavi et chiare.

Et certo ogni mio studio in quel tempo era
pur di sfogare il doloroso core
in qualche modo, non d’acquistar fama.

Pianger cercai, non già del pianto honore:
or vorrei ben piacer; ma quella altera
tacito stanco dopo sè mi chiama.



20. Juni 2013


Hätt' ich geahnt, wie hoch bewertet
der Klang meiner Seufzer in Versen ist,
ich hätte vom ersten Aufseufzen an
davon weit mehr, und weit erlesener geformt.

Da jene tot ist, die mich sprechen machte,
und die in meinem Sinnen sich zuoberst hielt,
kann ich, es fehlt mir doch die feine Feile,
nicht aus bitteren und dunklen Reimen sanfte, klare machen.

Gewiss war in der Trauerzeit mein erstes Bemühen
das schmerzende Gemüt mir zu zerstreuen
so gut es ging, nicht Ruhm mir zu erwerben.

Ich wollte weinen, noch nicht vom Weinen Ehre:
jetzt möcht' ich auch gefallen; doch jene Hohe
ruft mich, der ich - schon müde - schweige, ihr zu folgen.




CCXCIV


Soleasi nel mio cor star bella et viva,
com’alta donna in loco humile et basso:
or son fatto io per l’ultimo suo passo
non pur mortal, ma morto, et ella è diva.

L’alma d’ogni suo ben spogliata et priva,
Amor de la sua luce ignudo et casso
devrian de la pietà romper un sasso,
ma non è chi lor duol riconti o scriva:

ché piangon dentro, ov’ogni orecchia è sorda,
se non la mia, cui tanta doglia ingombra,
ch’altro che sospirar nulla m’avanza.

Veramente siam noi polvere et ombra,
veramente la voglia cieca e ’ngorda,
veramente fallace è la speranza.



21. Juni 2013


Nur sie alleine lebt und webt in meinem Herzen
als edle Frau in einer kleinen Hütte:
nun bin gezeichnet ich durch ihren letzten Schritt,
nicht sterblich nur, schon tot, und sie ist herrlich.

Die Seele ausgeraubt und aller Güter ledig,
Gott Amor nackt und lichtlos, ein Gerippe,
das Steine aus Erbarmen brechen macht,
doch keinen gibt es, der den Jammer festhält:

sie weinen nur nach innen, wo alle Ohren taub sind,
nur meines nicht, das allen Gram versammelt,
so dass nur Seufzen mir noch bleibt.

Und wirklich sind wir Staub und Schatten,
und wirklich ist der Wille blind und unersättlich,
und wirklich trügerisch ist unser Hoffen.
 


CCXCV


Soleano i miei penser’ soavemente
di lor obgetto ragionare inseme:
- Pietà s’appressa, e del tardar si pente;
forse or parla di noi, o spera, o teme. -

Poi che l’ultimo giorno et l’ore extreme
spogliâr di lei questa vita presente,
nostro stato dal ciel vede, ode et sente:
altra di lei non è rimaso speme.

O miracol gentile, o felice alma,
o beltà senza exempio altera et rara,
che tosto è ritornata ond’ella uscío!

Ivi à del suo ben far corona et palma
quella ch’al mondo sí famosa et chiara
fe’ la sua gran vertute, e ’l furor mio.



22. Juni 2013


Für sich alleine, einverständig selbst befragten
sich meine Gedanken im Gespräch zu ihr:
- Mitleid könnte nahen, sie bereut ihr Zögern;
vielleicht spricht sie von uns gerade, hofft, verzagt. -

Nachdem der letzte Tag, die Stunde aller Stunden
von ihr dies gegenwärtig Leben nahm, es löschte,
sieht sie uns an vom Himmel, hört und fühlt:
anderes bleibt uns nicht von ihr zu hoffen.

O freudig Wunder, o entzückte Seele,
o Schönheit ohne Beispiel, fern und ungewöhnlich,
die rasch dahin zurückgekehrt ist, wo sie her kam!

Dort werden ihr aus ihren Gütern Kron' und Palme,
ihr, die der Welt so ruhmreich und so rein
geworden durch die eigne Tugend und durch meine Glut.



CCXCVI


I’ mi soglio accusare, et or mi scuso,
anzi me pregio et tengo assai piú caro,
de l’onesta pregion, del dolce amaro
colpo, ch’i’ portai già molt’anni chiuso.

Invide Parche, sí repente il fuso
troncaste, ch’attorcea soave et chiaro
stame al mio laccio, et quello aurato et raro
strale, onde morte piacque oltra nostro uso!

Ché non fu d’allegrezza a’ suoi dí mai,
di libertà, di vita alma sí vaga,
che non cangiasse ’l suo natural modo,

togliendo anzi per lei sempre trar guai
che cantar per qualunque, e di tal piaga
morir contenta, et viver in tal nodo.


23. Juni 2013


Ich sprach mich schuldig einst, und nun verzeih ich mir,
vielmehr: ich preise mich, und schätze mich noch höher,
da ich den werten Zwinger, den bittersüßen Hieb
so viele Jahre still für mich ertragen habe.

Ihr Parzen, eifersüchtig habt ihr rasch die Spindel
zertrümmert, die den süßen, lichten Faden einwob
mir zur Schlinge, und jenen goldnen Pfeil zerbrochen,
von dem den Tod wir allzu gern empfangen!

Wenns sein muss, nie im Leben fröhlich sein,
nie frei, nie freudig lebend in der Ungewissheit,
und dennoch nicht vom eignen Weg sich kehren,

lieber für sie Verhängnis zu ertragen,
als eine andre zu besingen, und von dieser Plage
zufrieden sterben, und in dieser Bindung leben.
 



CCXCVII


Due gran nemiche inseme erano agiunte,
Bellezza et Honestà, con pace tanta
che mai rebellïon l’anima santa
non sentí poi ch’a star seco fur giunte;

et or per Morte son sparse et disgiunte:
l’una è nel ciel, che se ne gloria et vanta;
l’altra sotterra, ch’ è begli occhi amanta,
onde uscîr già tant’amorose punte.

L’atto soave, e ’l parlar saggio humile
che movea d’alto loco, e ’l dolce sguardo
che piagava il mio core (anchor l’acenna),

sono spariti; et s’al seguir son tardo,
forse averrà che ’l bel nome gentile
consecrerò con questa stanca penna.



24. Juni 2013


Zwei große Feinde hatten sich verbunden,
die Schönheit und das Ehrbarsein, in Eintracht so,
dass auch die fromme Seele keinen Aufruhr spürte,
die ihnen zugeteilt war, eng gebunden;

nun sind sie durch den Tod zerstreut und aufgebunden:
die eine ist im Himmel, der ihr sich rühmt und freut;
die and're in der Erde, Liebhaber nun der Augen,
aus denen einst so viele Liebespfeile kamen.

Die sanfte Geste und die klug bescheidene Rede,
die von hoher Warte wirkten, der süße Blick,
der mir das Herz bedrängte (und noch heut' entzündet),

sind fort; und falls ich ihr nicht folgen kann,
könnte es sein, dass ihren edlen Namen
ich weihen darf mit dieser müden Feder.
 


CCXCVIII


Quand’io mi volgo indietro a miarar gli anni
ch’anno fuggendo i miei penseri sparsi,
et spento ’l foco ove agghiacciando io arsi,
et finito il riposo pien d’affanni,

rotta la fe’ degli amorosi inganni,
et sol due parti d’ogni mio ben farsi,
l’una nel cielo et l’altra in terra starsi,
et perduto il guadagno de’ miei damni,

i’ mi riscuto, et trovomi sí nudo,
ch’i’ porto invidia ad ogni extrema sorte:
tal cordoglio et paura ò di me stesso.

O mia stella, o Fortuna, o Fato, o Morte,
o per me sempre dolce giorno et crudo,
come m’avete in basso stato messo!



25. Juni 2013


Wenn ich mich kehre um, die Jahre zu beschauen,
die, fliehend, mir den Sinn zerstreut,
das Feuer ausgelöscht, wo ich, vereisend, brannte,
und auch die Ruhe voller Qual beendet haben,

zerstört den Glauben der betrogenen Verliebten,
und in zwei Stücke all mein Gut zerteilt,
das eine auf zum Himmel, das and're in die Erde,
und das Verdienst verloren aus dem ganzen Leid,

erbebe ich, und sehe mich ganz nackt,
der ich nun noch das schlimmste Los beneide:
so sehr verspür ich Trauer, Furcht um mich.

O du mein Stern, o Glück, o Schicksal, Meister Tod,
o du mein immer süßer, bittrer Tag,
wie habt ihr alle mich erniedrigt und verworfen.
 


CCXCIX


Ov’è la fronte, che con picciol cenno
volgea il mio core in questa parte e ’n quella?
Ov’è ’l bel ciglio, et l’una et l’altra stella
ch’al corso del mio viver lume denno?

Ov’è ’l valor, la conoscenza e ’l senno?
L’accorta, honesta, humil, dolce favella?
Ove son le bellezze accolte in ella,
che gran tempo di me lor voglia fenno?

Ov’è l’ombra gentil del viso humano
ch’òra et riposo dava a l’alma stanca,
et là ’ve i miei pensier’ scritti eran tutti?

Ov’è colei che mia vita ebbe in mano?
Quanto al misero mondo, et quanto manca
agli occhi miei che mai non fien asciutti!



26. Juni 2013


Wo ist die Stirn, die mit dem kleinsten Neigen
mein Herz in Aufruhr brachte, hierhin, dorthin?
Wo sind der Lidschlag, und die beiden Sterne
die meinem Weg auf Erden Lichtzeig gaben?

Wo ist der Wert, das Wissen und die Weisheit?
Die verständige, bescheidne, ehrlich süße Rede?
Wo sind die Schönheiten, die jene zierten,
und die in großer Zeit mich ihrem Willen unterwarfen?

Wo ist der sanfte Schatten auf des Menschen Antlitz
der Rast und Kühle gab der müden Seele
und worin meine Zeichen eingeschrieben standen?

Wo ist die Eine die mein Leben in den Händen hatte?
Wie sehr vermisst die Welt in ihrem Elend, wie sehr
fehlt meinen Augen, die nicht mehr trocknen, sie!
 


CCC


Quanta invidia io ti porto, avara terra,
ch’abbracci quella cui veder m’è tolto,
et mi contendi l’aria del bel volto,
dove pace trovai d’ogni mia guerra!

Quanta ne porto al ciel, che chiude et serra
et sí cupidamente à in sé raccolto
lo spirto da le belle membra sciolto,
et per altrui sí rado si diserra!

Quanta invidia a quell’anime che ’n sorte
ànno or sua santa et dolce compagnia
la qual io cercai sempre con tal brama!

Quant’ a la dispietata et dura Morte,
ch’avendo spento in lei la vita mia,
stassi né suoi begli occhi, et me non chiama!



27. Juni 2013


Wie sehr beneid' ich dich, du geizige Erde,
die jene hältst in Armen fest, die mir entzogen ist,
und die du mir den Anblick ihrer Züge abschlägst,
in dem ich Frieden fand in allen meinen Kriegen!

Und wie den Himmel, der in sich verschließt
und voller Gier in sich gerafft hat
den Geist, der sich von allen schönen Gliedern löste,
und der sich anderen nur selten öffnet!

Wie sehr beneide ich die Seelen, die dort oben
nun ihre heilige und süße Freundschaft haben,
die ich mit solcher Inbrunst immer suchte!

Wie sehr den mitleidslosen, harten Tod,
der in ihr auch mein eigenes Leben löschte,
das in den schönen Augen lebte, und mich nicht ruft!

 Quanta invidia io ti porto, avara terra


CCCI


Valle che de’ lamenti miei se’ piena,
fiume che spesso del mio pianger cresci,
fere selvestre, vaghi augelli et pesci,
che l’una et l’altra verde riva affrena,

aria de’ miei sospir’ calda et serena,
dolce sentier che sí amaro rïesci,
colle che mi piacesti, or mi rincresci,
ov’anchor per usanza Amor mi mena:

ben riconosco in voi l’usate forme,
non, lasso, in me, che da sí lieta vita
son fatto albergo d’infinita doglia.

Quinci vedea ’l mio bene; et per queste orme
torno a veder ond’al ciel nuda è gita,
lasciando in terra la sua bella spoglia.



28. Juni 2013


Tal, gefüllt mit meinen Klagen,
Fluß, der oft du schwillst von meinen Tränen,
wildes Getier, unstete Vögel, Fische,
um die sich beidseits grüne Ufer legen,

Lüfte warm und abendlich von meinen Seufzern,
sanfter Weg, der bitter ist geworden,
Hügel, der mich einst vergnügte, nun traurig stimmt,
wohin mich Amor aus Gewohnheit führt:

wohl sehe ich in euch vertraute Formen,
doch, ach, in mir nicht, der ich von frohem Leben
zur Herberg' grenzenloser Schmerzen wurde.

Von hier sah ich mein Glück; den Spuren folgend
kehre ich wieder, zu sehen, wo sie zum Himmel aufstieg, nackt,
auf Erden ihre schöne Hülle lassend.

Valle che de’ lamenti miei se’ piena


CCCII


Levommi il mio penser in parte ov’era
quella ch’io cerco, et non ritrovo in terra:
ivi, fra lor che ’l terzo cerchio serra,
la rividi piú bella et meno altera.

Per man mi prese, et disse: - In questa spera
sarai anchor meco, se ’l desir non erra:
i’ so’ colei che ti die’ tanta guerra,
et compie’ mia giornata inanzi sera.

Mio ben non cape in intelletto humano:
te solo aspetto, et quel che tanto amasti
e là giuso è rimaso, il mio bel velo. -

Deh perché tacque, et allargò la mano?
Ch’al suon de’ detti sí pietosi et casti
poco mancò ch’io non rimasi in cielo.



29. Juni 2013


Zu Teilen hob mein Geist mich auf dahin
wo jene war, die ich auf Erden nicht mehr finde:
dort, mitten unter denen, die der dritte Kreis umgibt,
sah ich sie schöner noch und minder stolz.

Sie nahm mich bei der Hand und sagte: "In dieser Sphäre
wirst einst du wieder mit mir sein, irrt nicht der Wunsch:
ich bin die eine, die so viele Kämpfe für dich brachte,
die ihren Tag vollendete noch vor dem Abend.

Mein Glück begreift kein menschliches Ermessen:
ich warte nur auf dich, erwarte, was du so geliebt
und was auf Erden blieb, die schöne Hülle."

Weh, warum schweigt sie nun, entzieht die Hand mir?
Wo doch bei dem so mitleidsvoll und keuschen Reden
nur wenig fehlte, und ich wär im Himmel blieben.
 


CCCIII


Amor, che meco al buon tempo ti stavi
fra queste rive, a' pensier' nostri amiche,
et per saldar le ragion' nostre antiche
meco et col fiume ragionando andavi;

fior', frondi, herbe, ombre, antri, onde, aure soavi,
valli chiuse, alti colli et piagge apriche,
porto de l'amorose mie fatiche,
de le fortune mie tante, et sí gravi;

o vaghi habitator' de' verdi boschi,
o ninphe, et voi che 'l fresco herboso fondo
del liquido cristallo alberga et pasce:

i dí miei fur sí chiari, or son sí foschi,
come Morte che 'l fa; cosí nel mondo
sua ventura à ciascun dal dí che nasce.



30. Juni 2013


Amor, der du mit mir in guten Zeiten warst
an diesen Ufern, der Freunde zu gedenken,
und um den alten Bund aufs neu zu schließen
hier gingst mit mir und mit dem Fluß, besprechend;

Blumen, Laub, Kräuter, Schatten, Höhlen, Wellen, sanfte Lüfte,
verschlossne Täler, hohe Hügel, weites Land,
Hafen mir in meinen Liebesleiden,
in meinen Schicksalsschlägen, den vielen, schweren;

o muntere Bewohner dieser grünen Wälder,
o Nymphen, o alle ihr, die euch der frische grüne Grund
des flüssigen Kristalls beherbergt und ernährt:

meine Tage waren einst so klar, nun sind sie trübe
wie der Tod, der sie bestimmte; so hat auf Erden
sein Schicksal jeder von Geburt an.



CCCIV


Mentre che ’l cor dagli amorosi vermi
fu consumato, e ’n fiammma amorosa arse,
di vaga fera le vestigia sparse
cercai per poggi solitarii et hermi;

et ebbi ardir cantando di dolermi
d’Amor, di lei che sí dura m’apparse:
ma l’ingegno et le rime erano scarse
in quella etate ai pensier’ novi e ’nfermi.

Quel foco è morto, e ’l copre un picciol marmo:
che se col tempo fossi ito avanzando
(come già in altri) infino a la vecchiezza,

di rime armato, ond’oggi mi disarmo,
con stil canuto avrei fatto parlando
romper le pietre, et pianger di dolcezza.



01. Juli 2013


Während das Herz von liebestollen Würmern
zernagt war und in Liebensbrand entflammt,
von scheuem Wild die kaum verbliebnen Spuren
suchte auf einsamen, verschlossnen Hügeln ich;

und kühn beklagte ich mein Leid in Liedern
bei Amor, bei jener, die mir so hart begegnete:
doch fehlte es an Einfallskraft und Dichtkunst
mir damals, um den neuen, schwärenden Gedanken zu entsprechen.

Dies Feuer ist erloschen, ein kleiner Denkstein deckt es:
doch wenn es mit der Zeit vorangeschritten wäre
(wie in anderen), bis hin zum Greisenalter,

mit waffenstarken Reimen, die ich beiseite lege nun,
in reifem Greisenstil hätte ich, dichtend,
Felsen zersprengt, zum Weinen sie gebracht.



CCCV


Anima bella da quel nodo sciolta
che piú bel mai non seppe ordir Natura,
pon’ dal ciel mente a la mia vita oscura,
da sí lieti pensieri a pianger volta.

La falsa opinïon dal cor s’è tolta,
che mi fece alcun tempo acerba et dura
tua dolce vista: omai tutta secura
volgi a me gli occhi, e i miei sospiri ascolta.

Mira ’l gran sasso, donde Sorga nasce,
et vedra’vi un che sol tra l’erbe et l’acque
di tua memoria et di dolor si pasce.

Ove giace il tuo albergo, et dove nacque
il nostro amor, vo’ ch’abbandoni et lasce,
per non veder ne’ tuoi quel ch’a te spiacque.



02. Juli 2013


Du schöne Seele, befreit aus jener Fessel,
die schöner nie war von Natur erdacht,
bringe vom Himmel Geist in dies mein dunkles Leben,
das sich von freudigen Gedanken zum Weinen hin gewendet hat.

Das falsche Schätzen ist vom Herzen nun gewichen,
das einst mir färbte streng und bitter
deinen süßen Anblick: nun ganz unbekümmert
schaust du mich an, hörst du auf meine Seufzer.

Bewundere den großen Fels, aus dem die Sorga springt,
und sieh auf den, der einsam zwischen Grün und Wasser
deiner gedenkend und in Schmerz sich aufhält.

Wo dein Zuhause liegt und wo geboren war
unsere Liebe, bleib fern, ich bitte dich,
um bei den deinen nicht zu sehen, was dir nicht gefiele.
Anima bella da quel nodo sciolta


CCCVI


Quel sol che mi mostrava il camin destro
di gire al ciel con glorïosi passi,
tornando al sommo Sole, in pochi sassi
chiuse ’l mio lume e ’l suo carcer terrestro:

ond’io son fatto un animal silvestro,
che co pie’ vaghi, solitarii et lassi
porto ’l cor grave et gli occhi humidi et bassi
al mondo, ch’è per me un deserto alpestro.

Cosí vo ricercando ogni contrada
ov’io la vidi; et sol tu che m’affligi,
Amor, vien meco, et mostrimi ond’io vada.

Lei non trov’io: ma suoi santi vestigi
tutti rivolti a la superna strada
veggio, lunge da’ laghi averni et stigi.



03. Juli 2013


Die Sonne, die mir hat gezeigt den rechten Weg
zum Himmel aufzusteigen mit ruhmreichen Schritten,
zur Summe aller Sonnen, verbirgt in engen Mauern
mein Licht und ihre irdische Hülle:

womit ich einem Tier des Waldes gleiche,
das mit streifendem Tritt, einsam und müde,
das schwere Herz und seine feuchten Augen
durch die Welt trägt, die mir eine Felsenwüste ist.

So zieh ich suchend durch alle Gegenden
wo ich sie sah; und nur du, der du mich quälst,
Amor, begleitest mich, und zeigst mir meinen Weg.

Sie finde ich nicht: doch ihre geweihten Spuren
alle gerichtet auf die höchste Straße
sehe ich wohl, vorbei am Styx und am Averner See der Toten.
 


CCCVII


I’ pensava assai destro esser su l’ale,
non per lor forza, ma di chi le spiega,
per gir cantando a quel bel nodo eguale
onde Morte m’assolve, Amor mi lega.

Trovaimi a l’opra via piú lento et frale
d’un picciol ramo cui gran fascio piega,
et dissi: - A cader va chi troppo sale,
né si fa ben per huom quel che ’l ciel nega. -

Mai non poria volar penna d’ingegno,
nonché stil grave o lingua, ove Natura
volò, tessendo il mio dolce ritegno.

Seguilla Amor con sí mirabil cura
in adornarlo, ch’i’ non era degno
pur de la vista: ma fu mia ventura.



05. Juli 2013


Ich fühlte mich getragen schon auf Schwingen,
bewegt von jenem, der dies alles nennt,
zu reisen singend auf die schöne Bindung,
die Tod mir löst, und Amor weiter schlingt.

Ich fand mich einem Werk verpflichtet, schwächer
als ein kleiner Zweig, der üppig Blätter trägt,
und sprach: "Es fällt, wer allzu hoch sich aufschwingt,
es ist nicht gut dem Menschen, was der Himmel ausschlägt."

Nie kann des Geistes Feder fliegen,
auch nicht der strenge Stil, gefügte Rede, wohin Natur
aufstieg, mein süßes Band mir webend.

Es folgte Amor ihr mit so bemühter Acht
es schmückend, dass ich nicht würdig war
es nur zu sehen: doch dies war mein Geschick.



CCCVIII


Quella per cui con Sorga ò cangiato Arno,
con franca povertà serve richezze,
volse in amaro sue sante dolceze,
ond’io già vissi, or me ne struggo et scarno.

Da poi piú volte ò riprovato indarno
al secol che verrà l’alte belleze
pinger cantando, a ciò che l’alme et preze:
né col mio stile il suo bel viso incarno.

Le lode mai non d’altra, et proprie sue,
che ’n lei fur come stelle in cielo sparte,
pur ardisco ombreggiare, or una, or due:

ma poi ch’i’ giungo a la divina parte
ch’un chiaro et breve sole al mondo fue,
ivi manca l’ardir, l’ingegno et l’arte.



05. Juli 2013


Jene, derentwegen ich den Arno für die Sorgue tauschte,
den dienerischen Reichtum für die freie Armut gab,
wendet in Bitternis was sie einst süß mir gab,
wovon ich lebte, davon vergeh ich nun.

Seitdem versuchte ich vergebens viele Male
für die noch kommende Epoche dieses holde Bildnis
zu malen, singend, damit sie es lieben kann und preisen:
ich fasse nicht mit meiner Weise seine schönen Züge.

Ihr Glanz ist unvergleichlich, ganz der ihre,
der in ihr strahlte wie die Sterne, verstreut am Himmel,
von denen ich in Skizzen nur erfasse einen, oder zwei:

doch dann, wenn ich den göttlichen Teil erreiche,
der für die Welt einst eine kurze, helle Sonne war,
fehlen mir Feuer, Geist und auch die Kunst, es zu gestalten.



CCCIX


L’alto et novo miracol ch’a’ dí nostri
apparve al mondo, et star seco non volse,
che sol ne mostrò ’l ciel poi se l’ ritolse,
per adornarne i suoi stellanti chiostri,

vuol ch’i’ depinga a chi no ’l vide, e ’l mostri,
Amor, che ’n prima la mia lingua sciolse,
poi mille volte indarno a l’opra volse
ingegno, tempo, penne, carte, e ’nchiostri.

Non son al sommo anchor giunte le rime:
in me il conosco; et prova ’l ben chiunque
è ’nfin a qui, che d’amor parli o scriva.

Chi sa pensare, il ver tacito estime,
ch’ogni stil vince, et poi sospire: - Adunque
beati gli occhi che la vider viva. -



06. Juli 2013


Das hohe, neue Wunder, das in unsern Tagen
auf Erden kam, doch nicht zu bleiben,
das uns nur kurz den Himmel zeigte, dann sich kehrte,
um auszuschmücken seine Sternenhöfe,

soll ich zeichnen für die Blinden, ihnen zeigen,
so will Amor, der meine Zunge löste,
dann tausend Male sinnlos mich zur Arbeit trieb
mit Geist, Zeit, Feder, Pergament und Tinte.

Noch sind die Lieder nicht zum Gipfel aufgeschwungen:
in mir klingen sie schon; und jeder wird sie billigen,
vollendet finden, der von Liebe spricht oder schreibt.

Wer klug ist, schätze die Wahrheit schweigend,
die über alle Dichtungsarten siegt, und seufze: "So seien
gesegnet die Augen, die sie lebend sahen."



CCCX


Zephiro torna, e ’l bel tempo rimena,
e i fiori et l’erbe, sua dolce famiglia,
et garrir Progne et pianger Philomena,
et primavera candida et vermiglia.

Ridono i prati, e ’l ciel si rasserena;
Giove s’allegra di mirar sua figlia;
l’aria et l’acqua et la terra è d’amor piena;
ogni animal d’amar si riconsiglia.

Ma per me, lasso, tornano i piú gravi
sospiri, che del cor profondo tragge
quella ch’al ciel se ne portò le chiavi;

et cantar augelletti, et fiorir piagge,
e ’n belle donne honeste atti soavi
sono un deserto, et fere aspre et selvagge.



07. Juli 2013


Der Zephiros kehrt wieder, bringt die schöne Zeit
mit Blumen, Kräutern, seiner ganzen Schar,
und Prokne zwitschert, Philomena trägt Trauer,
der Frühling zeigt sich frischweiß und zinnober.

Die Wiesen lachen und der Himmel jubelt;
Jupiter freut sich seines Töchterleins;
die Lüfte und das Wasser und die Erde prall von Liebe;
ein jedes Tier beschließt erneut zu lieben.

Doch für mich, ach, erneuern sich die schwersten
Seufzer nur, die mir aus tiefstem Herzen zieht
die eine, die zum Himmel mit sich nahm die Schlüssel;

und das Singen der Vögel, das Blühen der Schmeichler,
und freundliche Gesten ehrenwerter Frauen
sind eine Wüste nur, und wilde, raue Tiere mir.



CCCXI


Quel rosignol, che sí soave piagne,
forse suoi figli, o sua cara consorte,
di dolcezza empie il cielo et le campagne
con tante note sí pietose et scorte,

et tutta notte par che m’accompagne,
et mi rammente la mia dura sorte:
ch’altri che me non ò di ch’i’ mi lagne,
ché ’n dee non credev’io regnasse Morte.

O che lieve è inganar chi s’assecura!
Que’ duo bei lumi assai piú che ’l sol chiari
chi pensò mai veder far terra oscura?

Or cognosco io che mia fera ventura
vuol che vivendo et lagrimando impari
come nulla qua giú diletta, et dura.



08. Juli 2013


Die Nachtigall, die dort so zart beweint
vielleicht die Jungen, vielleicht den lieben Partner,
füllt alle Himmel und das Land mit Süße,
mit Melodien klar und klagend,

es scheint, als bleibe sie die ganze Nacht mit mir,
mich an mein hartes Los beständig zu erinnern:
ich habe andere nicht anzuklagen, nur mich selbst,
dass ich dem Tod nicht glaubte, eine Göttin zu regieren.

Wie leicht ist einer zu betrügen, der seiner sich so sicher!
Den beiden Augenlichtern, klarer als die Sonne,
wer dachte je, dass ihnen Erde dunkeln könnte?

Nun weiß ich, dass mein grausames Geschick
will, dass ich lebend, weinend lerne,
dass hier auf Erden nichts wahrhaft erfreut und dauert.
Quel rosignol, che sí soave piagne


CCCXII


Né per sereno ciel ir vaghe stelle,
né per tranquillo mar legni spalmati,
né per campagne cavalieri armati,
né per bei boschi allegre fere et snelle;

né d’aspettato ben fresche novelle
né dir d’amore in stili alti et ornati
né tra chiare fontane et verdi prati
dolce cantare honeste donne et belle;

né altro sarà mai ch’al cor m’aggiunga,
sí seco il seppe quella sepellire
che sola agli occhi miei fu lume et speglio.

Noia m’è ’l viver sí gravosa et lunga
ch’i’ chiamo il fine, per lo gran desire
di riveder cui non veder fu ’l meglio.



09. Juli 2013


Nicht Sterne, die im ungetrübten Himmel gleiten,
nicht frisch gestrichene Kiele im ruhigen Meer,
nicht bewappnete Reiter im offenen Land,
nicht munteres und schlankes Wild im Wald;

nicht neue Nachricht von versprochenen Gütern
nicht Liebeslieder in anspruchsvoll verzierter Weise
nicht zwischen klaren Quellen und grünen Wiesen
süßer Gesang von ehrbaren schönen Damen;

und sonst auch nichts was mir das Herz erreicht,
das mit begraben wurde als ins Grab die stieg,
die einzig meinen Augen Licht und Spiegel war.

Nur Ödnis ist das Leben mir, so schwer und lang,
dass ich ein Ende wünsche, aus dem großen Verlangen,
die wieder zu sehen, die nie zu sehen besser wär' gewesen.
Né per sereno ciel ir vaghe stelle


CCCXIII


Passato è ’l tempo omai, lasso, che tanto
con refrigerio in mezzo ’l foco vissi;
passato è quella di ch’io piansi et scrissi,
ma lasciato m’à ben la penna e ’l pianto.

Passato è ’l viso sí leggiadro et santo,
ma passando i dolci occhi al cor m’à fissi:
al cor già mio, che seguendo partissi
lei ch’avolto l’avea nel suo bel manto.

Ella ’l se ne portò sotterra, e ’n cielo
ove or trïumpha, ornata de l’alloro
che meritò la sua invicta honestate.

Cosí disciolto dal mortal mio velo
ch’a forza mi tien qui, foss’io con loro
fuor de’ sospir’ fra l’anime beate!



10. Juli 2013


Vergangen die Zeit nun, ach, die so sehr
inmitten des Feuers mir Kühlung brachte;
vergangen ist jene eine, die mich weinen und schreiben machte,
aber zurück ließ sie mir den Schmerz und das Weinen.

Vergangen ist das Antlitz, heiter und fromm,
doch vergehend hat es die sanften Augen an mein Herz geheftet:
ans Herz, als es noch mir gehörte, das ihr folgend fortging
als sie es einhüllte in ihren ausgebreiteten Mantel.

Sie nahm es mit ins Grab, und auf zum Himmel,
wo sie nun triumphiert, gekränzt vom Lorbeer,
den ihre unbesiegte Ehrbarkeit gewonnen hat.

Könnte ich so, gelöst von meiner sterblichen Hülle,
die mich noch hier gewaltsam hält, mit ihnen sein,
frei von Seufzern, unter seligen Geistern.




CCCXIV


Mente mia, che presaga de’ tuoi damni,
al tempo lieto già pensosa et trista,
sí ’ntentamente ne l’amata vista
requie cercavi de’ futuri affanni,

agli atti, a le parole, al viso, ai panni,
a la nova pietà con dolor mista,
potêi ben dir, se del tutto eri avista:
Questo è l’ultimo dí de’ miei dolci anni.

Qual dolcezza fu quella, o misera alma!
come ardavamo in quel punto ch’i’ vidi
gli occhi i quai non devea riveder mai,

quando a lor come a’ duo amici piú fidi
partendo in guardia la piú nobil salma,
i miei cari penseri e ’l cor, lasciai!



11. Juli 2013


Mein Geist, der du den Fluch schon ahndest
in frohen Zeiten, nachdenklich, traurig,
und im geliebten Antlitz auf der Suche warst
nach dem, was Kraft dir geben kann für kommendes Verzweifeln,

aus Gesten, Worten, Spiel der Miene, aus der Kleidung,
aus dem echten Mitleid, untermischt mit Schmerzen,
nahmst du dir Honig, denn du warst gewiss:
Dies ist der letzte Tag aus meinen guten Jahren.

Wie war dies süß, gequälte Seele!
wie brannten wir, als ich, im Nu sie sah,
die Augen, die ich nicht mehr wieder sehen sollte,

als ich den beiden wie zwei treusten Freunden
im Abschied zur Verwahrung das wertvollste Pfand,
mein innerstes Gedenken und das Herz, zurückließ!




CCCXV


Tutta la mia fiorita et verde etade
passava, e ’ntepidir sentia già ’l foco
ch’arse il mio core, et era giunto al loco
ove scende la vita ch’al fin cade.

Già incomminciava a prender securtade
la mia cara nemica a poco a poco
de’ suoi sospetti, et rivolgeva in gioco
mie pene acerbe sua dolce honestade.

Presso era ’l tempo dove Amor si scontra
con Castitate, et agli amanti è dato
sedersi inseme, et dir che lor incontra.

Morte ebbe invidia al mio felice stato,
anzi a la speme; et feglisi a l’incontra
a mezza via come nemico armato.



12. Juli 2013


Mein ganzes blühendes und grünes Alter
ging vorbei, und schwächer fühlte ich bereits das Feuer,
das mein Herz wärmte, nah war ich dem Ort
wo sich das Leben neigt, das bald verlöscht.

Schon hatte sie begonnen, Abstand zu nehmen,
die liebste Feindin, Schritt für Schritt
von ihrem Argwohn, und spielerisch erlöste
meine herben Leiden ihre süße Tugend.

Es nahte sich die Zeit, wenn Amor sich vereint
mit Keuschheit, wenn Liebenden erlaubt ist,
sich zusammen zu setzen und sich zu erklären.

Der Tod beneidete mein Glück,
mein Hoffen schon; und stellte sich mir in den Weg
auf halber Strecke, ein Feind in Waffen.




CCCXVI


Tempo era omai da trovar pace o triegua
di tanta guerra, et erane in via forse,
se non che’ lieti passi indietro torse
chi le disaguaglianze nostre adegua:

ché, come nebbia al vento si dilegua,
cosí sua vita súbito trascorse
quella che già co’ begli occhi mi scorse,
et or conven che col penser la segua.

Poco aveva a ’ndugiar, ché gli anni e ’l pelo
cangiavano i costumi: onde sospetto
non fôra il ragionar del mio mal seco.

Con che honesti sospiri l’avrei detto
le mie lunghe fatiche, ch’or dal cielo
vede, son certo, et duolsene anchor meco!



13. Juli 2013


Es war schon an der Zeit, Friede und Ruh' zu finden
von so viel Kampf, und ich war auf dem Weg dazu,
hätte nicht die frohen Schritte aufgehalten,
wer alle Ungleichheit begleicht für uns:

so, wie der Nebel sich im Winde lichtet,
so hat ihr Leben sie an uns vorbeigezogen,
sie, die mit ihren schönen Augen mich erkannte,
nun bleibt mir nichts, als ihr zu folgen in Gedanken.

Sie hätte nur noch wenig warten müssen, bis uns das Alter
umgekleidet und verwandelt hätte: kein Argwohn
hätte sie betrübt, wenn ich ihr meine Leiden klagte.

Mit Seufzern ohne Hinterwunsch hätt' ich gestanden
meine langen Qualen, die sie nun vom Himmel
ansieht, des bin ich gewiss, und mit mir anklagt!



CCCXVII


Tranquillo porto avea mostrato Amore
a la mia lunga et torbida tempesta
fra gli anni de la età matura honesta
che i vicii spoglia, et vertú veste et honore.

Già traluceva a’ begli occhi il mio core,
et l’alta fede non piú lor molesta.
Ahi Morte ria, come a schiantar se’ presta
il frutto de molt’anni in sí poche hore!

Pur vivendo veniasi ove deposto
in quelle caste orecchie avrei parlando
de’ miei dolci pensier’ l’antiqua soma;

et ella avrebbe a me forse resposto
qualche santa parola sospirando,
cangiati i volti, et l’una et l’altra coma.



14. Juli 2013


Einen stillen Hafen zeigte Amor
meinem langen, wolkenschwarzen Wettersturm
in den Jahren des Alters reifer Ehrbarkeit,
das Laster reizlos macht und Tugend achtet.

Schon leuchtete mein Herz den schönen Augen,
und ihre hochgestimmte Treue bedrängte es nicht mehr.
Ach grausamer Tod, wie bist du eilig im Zerstören
der Frucht von langen Jahren in so kurzer Zeit!

Lebte sie noch, sie käme dorthin, wo ich ihr legen könnte
in ihre unverdorbenen Ohren, sprechend
von meinen süßen Träumen, die alte Last;

und sie hätte vielleicht erwidert mir
mit frommen Worten, seufzend,
gewandelt beide wir, das Antlitz und die Haare.





CCCXVIII


Al cader d’una pianta che si svelse
come quella che ferro o vento sterpe,
spargendo a terra le sue spoglie excelse,
mostrando al sol la sua squalida sterpe,

vidi un’altra ch’Amor obiecto scelse,
subiecto in me Callïope et Euterpe;
che ’l cor m’avinse, et proprio albergo felse,
qual per trunco o per muro hedera serpe.

Quel vivo lauro ove solean far nido
li alti penseri, e i miei sospiri ardenti,
che de’ bei rami mai non mossen fronda,

al ciel traslato, in quel suo albergo fido
lasciò radici, onde con gravi accenti
è anchor chi chiami, et non è chi responda.



15. Juli 2013


Beim Fallen eines hohen Baumes, gestürzt
wie einer, den Eisen oder Wind vernichtet,
ausbreitend auf der Erde seine kahlen Glieder,
zur Sonne reckend den gekappten Strunk,

siehst du den nächsten schon, von Amor ausgewählt,
von mir den Musen zugesprochen;
der mir das Herz umrankt, sich eine Heimat baut,
wie sich um Stämme oder Mauern Efeu schlingt.

Der starke Lorbeer, worin ein Nest geflochten
die kunstvollen Gedanken und meine heißen Seufzer,
die von den schönen Zweigen niemals einen brachen,

zum Himmel übertragen, in dieser seiner treuen Heimat
wurzelnd, von wo mit rauer Stimme
noch einer ruft, doch keiner gibt ihm Antwort.

Al cader d’una pianta che si svelse


CCCXIX


I dí miei piú leggier’ che nesun cervo,
fuggîr come ombra, et non vider piú bene
ch’un batter d’occhio, et poche hore serene,
ch’amare et dolci ne la mente servo.

Misero mondo, instabile et protervo
del tutto è cieco chi ’n te pon sua spene:
ché ’n te mi fu ’l cor tolto, et or se ’l tène
tal ch’è già terra, et non giunge osso a nervo.

Ma la forma miglior, che vive anchora,
et vivrà sempre, su ne l’alto cielo,
di sue bellezze ogni or piú m’innamora;

et vo, sol in pensar, cangiando il pelo,
qual ella è oggi, e ’n qual parte dimora,
qual a vedere il suo leggiadro velo. 



16. Juli 2013


Leichter als Hirsche flohen meine Tage,
wie Schatten, und sahen Schönes nur noch
als ein Lidschlag, und selten heitere Stunden,
die ich, süß und bitter, in meinem Geist bewahre.

Elende Welt, willkürlich, unbeständig
so voll und ganz blind ist, wer auf dich setzt sein Hoffen:
in dir ging mir mein Herz verloren, und jene hält es
die schon Erde wurde, und ohne Nerven an den Knochen.

Doch ihre bessere Gestalt, die weiter lebt,
und weiter leben wird, dort in dem hohen Himmel
mit ihrer Schönheit stündlich mich betörend;

ich gehe, einsam in Gedanken, ergrauend meine Haare,
wer sie wohl heute sein mag, wo sie sich aufhält,
wie wohl ihr sanfter Schleier anzusehen sei.



CCCXX


Sento l’aura mia anticha, e i dolci colli
veggio apparire, onde ’l bel lume nacque
che tenne gli occhi mei mentr’al ciel piacque
bramosi et lieti, or li tèn tristi et molli.

O caduche speranze, o penser’ folli!
Vedove l’erbe et torbide son l’acque,
et vòto et freddo ’l nido in ch’ella giacque,
nel qual io vivo, et morto giacer volli,

sperando alfin da le soavi piante
et dai begli occhi suoi, che ’l cor m’ànn’arso,
riposo alcun de le fatiche tante.

O’ servito a signor crudele et scarso:
ch’arsi quanto ’l mio foco ebbi davante,
or vo piangendo il suo cenere sparso.



17. Juli 2013


Ich fühle die vergangene Luft, die sanften Hügel
sehe ich erscheinen, wo das schöne Licht geboren war,
das meine Augen, als es dem Himmel wohl gefiel,
weit und glücklich machte, nun aber traurig und schwach.

Verwehte Hoffnungen, trügerische Träume!
Verwaist die Gräser und die Wasser trübe,
und leer und kalt das Nest, wo jene geboren,
wo ich nun lebe und mich zum Sterben legen wollte,

erhoffend nun von all den sanften Pflanzen
und ihren schönen Augen, die mein Herz entzündet',
ein wenig Ruhe von den vielen Mühen.

Ich unterwarf mich einem grausam kargen Herren:
indem ich brannte, als ich noch Feuer hatte,
nun geh ich weinend auf zerstreuter Asche.



CCCXXI


É questo ’l nido in che la mia fenice
mise l’aurate et le purpuree penne,
che sotto le sue ali il mio cor tenne,
et parole et sospiri ancho ne elice?

O del dolce mio mal prima radice,
ov’è il bel viso, onde quel lume venne
che vivo et lieto, ardendo mi mantenne?
Sol’ eri in terra; or se’ nel ciel felice.

Et m’ài lasciato qui misero et solo,
talché pien di duol sempre al loco torno
che per te consecrato honora et còlo;

veggendo a’ colli oscura notte intorno
onde prendesti al ciel l’ultimo volo,
et dove li occhi tuoi solean far giorno.



18. Juli 2013


Ist dies das Nest, worein mein Phönix
die goldenen und purpurfarbenen Federn legte,
der unter seinen Flügeln mein Herz barg,
und Wörter und Seufzer daraus entlockte?

O meines süßen Übels erster Ursprung,
wo ist das schöne Antlitz, von wo das Licht mir kam,
das lebensvoll und heiter, anfeuernd mich erhielt?
Einsam warst du auf Erden; nun bist du im Himmel glücklich.

Und mich hast du zurückgelassen, elend und einsam,
so dass ich voller Schmerzen den Ort stets wieder suche,
der durch dich geweiht mit Ehre und Gesammeltheit;

die Hügel sind in Nacht gehüllt und dunkel,
von denen du den letzten Schwung zum Himmel hast genommen,
und wo die Augen dein einst Tag uns machten.

É questo ’l nido in che la mia fenice


CCCXXII


Mai non vedranno le mie luci asciutte
con le parti de l'animo tranquille
quelle note ov'Amor par che sfaville,
et Pietà di sua man l'abbia construtte.

Spirto già invicto a le terrene lutte,
ch'or su dal ciel tanta dolcezza stille,
ch'a lo stil, onde Morte dipartille,
le disvïate rime ài ricondutte:

di mie tenere frondi altro lavoro
credea mostrarte; et qual fero pianeta
ne 'nvidiò inseme, o mio nobil tesoro?

Chi 'nnanzi tempo mi t'asconde et vieta,
che col cor veggio, et co la lingua honoro,
e 'n te, dolce sospir, l'alma s'acqueta.



19. Juli 2013


Nie werden meine Augenlichter trocken schauen
mit dem, was ruhig ist an meiner Seele,
die Zeilen, aus denen Amor, scheint es, funkelt
und Mitleid mit der eignen Handschrift grüßt.

Geist, schon im weltlichen Getümmel unbesiegt geblieben,
der jetzt vom Himmel soviel Süße träufelt,
der du zur Schreibzucht, der mich Tod entfremdet,
zurückgeführt hast die verirrten Reime:

von meinen zarten Zweigen möchte andere Früchte
ich dir noch zeigen; und welcher böse Stern
könnte uns entzweien, mein teurer Schatz?

Die du schon vor der Zeit dich mir verborgen hast, entzogen,
die ich mit meinem Herzen sehe, mit der Stimme ehre,
in dir, süßes Verlangen, stillt sich die Seele.




CCCXXIII


Standomi un giorno solo a la fenestra,
onde cose vedea tante, et sí nove,
ch’era sol di mirar quasi già stancho,
una fera m’apparve da man destra,
con fronte humana, da far arder Giove,
cacciata da duo veltri, un nero, un biancho;
che l’un et l’altro fiancho
de la fera gentil mordean sí forte,
che ’n poco tempo la menaro al passo
ove, chiusa in un sasso,
vinse molta bellezza acerba morte:
et mi fe’ sospirar sua dura sorte.

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20. Juli 2013


Einst stand ich einsam am Fenster,
wo ich Vieles sah, und Neues,
allein vom Schauen war ich schon müde,
da kam von Rechts mir ins Bild ein Wild,
mit menschlichem Antlitz, das selbst Jupiter entflammt hätte,
gejagt von zwei Hunden, einer schwarz, einer weiß;
die nach beiden Flanken
des edlen Wildes so heftig schnappten,
dass in kürzester Zeit es getrieben war
in die Enge, umgeben von Fels,
und seine ganze Schönheit einen bitteren Tod fand:
und ich seufzte über sein Schicksal.



Standomi un giorno solo a la fenestra


CCCXXIV


Amor, quando fioria
mia spene, e ’l guidardon di tanta fede,
tolta m’è quella ond’attendea mercede.

Ahi dispietata morte, ahi crudel vita!
L’una m’à posto in doglia,
et mie speranze acerbamente à spente;
l’altra mi tèn qua giú contra mia voglia,
et lei che se n’è gita
seguir non posso, ch’ella nol consente.
Ma pur ogni or presente
nel mezzo del meo cor madonna siede,
et qual è la mia vita, ella sel vede.

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21. Juli 2013



CCCXXV


Tacer non posso, et temo non adopre
contrario effecto la mia lingua al core,
che vorria far honore
a la sua donna, che dal ciel n’ascolta.
Come poss’io, se non m’insegni, Amore,
con parole mortali aguagliar l’opre
divine, et quel che copre
alta humiltate, in se stessa raccolta?
Ne la bella pregione, onde or è sciolta,
poco era stato anchor l’alma gentile,
al tempo che di lei prima m’accorsi:
onde súbito corsi,
ch’era de l’anno et di mi’ etate aprile,
a coglier fiori in quei prati d’intorno,
sperando a li occhi suoi piacer sí addorno.

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22. Juli 2013


Ich kann nicht schweigen, und fürchte doch
dass meine Zunge Gegenteiliges erreiche,
wo sie nur ehren möchte
ihre Dame, die vom Himmel zuhört.
Wie könnte ich, wenn du, Liebe, mich nicht belehrst,
mit schwachen Worten nähern mich dem Werk
der Gottheit, und dem, was in sich fasst
die höchste Demut, in sich selbst versammelt?
In ihrem schönen Kerker, von dem sie nun befreit,
war sie erst kurz, die edle Seele,
als ich zum ersten Mal sie wahrnahm:
worauf ich rasch entlief,
von Jahreszeit und meinem Alter her war es April,
um Blumen auf den Wiesen rings zu sammeln,
hoffend, es gefalle ihr, sich so geschmückt zu sehen.



CCCXXVI


Or ài fatto l’extremo di tua possa,
o crudel Morte; or ài ’l regno d’Amore
impoverito; or di bellezza il fiore
e ’l lume ài spento, et chiuso in poca fossa;

or ài spogliata nostra vita et scossa
d’ogni ornamento et del sovran suo honore:
ma la fama e ’l valor che mai non more
non è in tua forza; abbiti ignude l’ossa:

ché l’altro à ’l cielo, et di sua chiaritate,
quasi d’un piú bel sol, s’allegra et gloria,
et fi’ al mondo de’ buon’ sempre in memoria.

Vinca ’l cor vostro, in sua tanta victoria,
angel novo, lassú, di me pietate,
come vinse qui ’l mio vostra beltate.



23. Juli 2013


Nun hast du alles was du konntest ausgespielt,
grausamer Tod; nun hast das Reich der Liebe
du verdorrt; nun hast der Schönheit Blüte
und ihr Licht du ausgelöscht, in engem Grab verschlossen;

nun hast du unser Leben ruiniert und ihm geraubt
die Zierde und bis zur Neige seinen Stand:
doch Ruhm und Tugend sterben nie,
sind nicht in deiner Macht; nur nackte Knochen:

das andere besitzt der Himmel, und seiner Klarheit,
die schöner ist als alle Sonnen, erfreut und preist er sich,
und ewig bleibt es für die Guten im Gedächtnis.

Gewinnen möge Euer Herz, in seinem großen Siege,
o neuer Engel, dort oben, Mitleid mit mir,
wie hier auf Erden Eure Schönheit mir das Herz.



CCCXXVII


L’aura et l’odore et ’l refrigerio et l’ombra
del dolce lauro et sua vista fiorita,
lume et riposo di mia stanca vita,
tolt’à colei che tutto ’l mondo sgombra.

Come a noi il sol se sua soror l’adombra,
cosí l’alta mia luce a me sparita,
i’ cheggio a Morte incontra Morte aita,
di sí scuri penseri Amor m’ingombra.

Dormit’ài, bella donna, un breve sonno:
or se’ svegliata fra li spirti electi,
ove nel suo factor l’alma s’interna;

et se mie rime alcuna cosa ponno,
consecrata fra i nobili intellecti
fia del tuo nome qui memoria eterna.



24. Juli 2013


Der Atem und der Duft, die Kühlung und der Schatten
des süßen Lorbeers, seiner blühenden Gestalt,
Licht und Erholung meines müden Lebens,
hat jener weggerafft, der alle Welt beherrscht.

Wie allen uns, wenn Sol die Schwester schattet,
so ist mir meine Leuchte ausgegangen,
nun suche ich vom Tod im Tode Hilfe,
mit solchen dunklen Wünschen hat Gott Amor mich verstört.

Geschlafen hast du, schöne Frau, nur einen kurzen Schlummer:
nun bist du aufgewacht, weilst unter auserwählten Geistern,
dort, wo in ihren Schöpfer sich die Seele einhaust;

und wenn es meinen Versen möglich wäre,
sei unter edlen Geistern eingeschrieben
hier ewiges Erinnern deines Namens.



CCCXXVIII


L’ultimo, lasso, de’ miei giorni allegri,
che pochi ò visto in questo viver breve,
giunto era, et facto ’l cor tepida neve
forse presago de dí tristi et negri.

Qual à già i nervi e i polsi e i pensier’ egri
cui domestica febbre assalir deve,
tal mi sentia, non sappiend’io che leve
venisse ’l fin de’ miei ben’ non integri.

Li occhi belli, or in ciel chiari et felici
del lume onde salute et vita piove,
lasciando i miei qui miseri et mendici,

dicean lor con faville honeste et nove:
- Rimanetevi in pace, o cari amici.
Qui mai piú no, ma rivedrenne altrove. -



25. Juli 2013


Der letzte, ach, von meinen frohen Tagen,
von denen ich in diesem kurzen Leben wen'ge sah,
war da, und flockte aus mein Herz in feinem Schnee,
ein Vormal trauriger und dunkler Tage.

Wie einem Nerven, Puls und Denken krank wird,
dem sich ein Fieber nähert zur Attacke,
so fühlte ich mich, wissend nicht, dass sich schon auftat
das Ende meines bruchstückhaften Glücks.

Die schönen Augen, nun im Himmel klar und glücklich
des Lichtes, woher Gesundheit, Leben träufelt,
während sie hier die meinen bettelarm und elend lassen,

sagten mit ehrlichem und neuem Funkeln:
- Bleibt hier in Frieden, meine lieben Freunde.
Hier werden wir uns nicht, doch drüben wiedersehen. -



CCCXXIX


O giorno, o hora, o ultimo momento,
o stelle congiurate a ’mpoverirme!
O fido sguardo, or che volei tu dirme,
partend’io per non esser mai contento?

Or conosco i miei danni, or mi risento:
ch’i’ credeva (ahi, credenze vane e ’nfirme!)
perder parte, non tutto, al dipartirme;
quante speranze se ne porta il vento!

Ché già ’l contrario era ordinato in cielo,
spegner l’almo mio lume ond’io vivea,
et scritto era in sua dolce amara vista;

ma ’nnanzi agli occhi m’era post’un velo
che mi fea non veder quel ch’i’ vedea,
per far mia vita súbito piú trista.



26. Juli 2013


O Tag, o Stunde, o "ultimo momento",
o Sterne, aufgestellt zu meinem Unheil!
O treuer Blick, was willst du mir noch sagen,
nun wo ich scheide, um niemals froh zu sein?

Ich kenne wohl nun mein Geschick, ich wache auf:
ich, der ich glaubte (ach, eitles, vages Glauben!)
nur einen Teil zu missen, nicht alles, wenn ich scheide;
wie vieles Hoffen hat der Wind mit sich genommen!

Im Himmel war schon anderes beschlossen,
das Licht zu löschen, das mir Leben gab,
und eingeschrieben stand es schon in ihrem bittersüßen Blick;

doch vor den Augen trug ich einen Schleier,
der mich nicht sehen ließ, was ich doch sah,
um mir im Nu das Leben zu verschatten.
O giorno, o hora, o ultimo momento


CCCXXX


Quel vago, dolce, caro, honesto sguardo
dir parea: - To’ di me quel che tu pôi,
ché mai piú qui non mi vedrai da poi
ch’avrai quinci il pe’ mosso, a mover tardo. -

Intellecto veloce piú che pardo,
pigro in antivedere i dolor’ tuoi,
come non vedestú nelli occhi suoi
quel che ved’ora, ond’io mi struggo et ardo?

Taciti sfavillando oltra lor modo,
dicean: - O lumi amici che gran tempo
con tal dolcezza feste di noi specchi,

il ciel n’aspetta: a voi parrà per tempo;
ma chi ne strinse qui, dissolve il nodo,
e ’l vostro per farv’ira, vuol che ’nvecchi. -



27. Juli 2013


Dieser verlangend süße, teure, offne Blick
schien mir zu sagen: - Nimm, was du kannst, von mir,
der du mich hier nicht wieder sehen wirst,
sobald du deinen Schritt betrübt von hier gewendet hast. -

Verstand, noch rascher als der Parder,
bist doch zu lahm, den eignen Schmerz vorauszusehen,
wie konntest du in ihren Augen übersehen,
was du nun siehst, mit dem ich nun mich quäle?

Sie haben schweigend mehr denn je gefunkelt
und sprachen: - Freundliche Lichter, die in guten Zeiten
mit solcher Süße uns als Spiegel dienten,

der Himmel wartet schon auf uns: es mag euch früh erscheinen;
doch der uns hier band, löst den Knoten,
und den euren, euch zum Zorne, läßt er altern.




CCCXXXI


Solea da la fontana di mia vita
allontanarme, et cercar terre et mari,
non mio voler, ma mia stella seguendo;
et sempre andai, tal Amor diemmi aita,
in quelli esilii quanto e’ vide amari,
di memoria et di speme il cor pascendo.
Or lasso, alzo la mano, et l’arme rendo
a l’empia et vïolenta mia fortuna,
che privo m’à di sí dolce speranza.
Sol memoria m’avanza,
et pasco ’l gran desir sol di quest’una:
onde l’alma vien men frale et digiuna.

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28. Juli 2013


Einsam fern der Quelle meines Lebens
streifte ich, Länder und Meere zu suchen,
nicht meinem Wunsch, doch meinem Stern folgend;
und immer ging ich, mit Amors Hilfe,
in die Verbannung, so bitter sie auch war,
mit Erinnerung und Hoffnung das Herz nährend.
Unglücklich nun, hebe ich die Hände, übergebe die Waffen
an das barbarische und grausame Schicksal,
das mir die süße Hoffnung raubte.
Nur die Erinnerung treibt mich weiter,
und ich nähre das große Verlangen nur an ihr:
was die Seele weniger zerbrechlich und schmächtig macht.
Solea da la fontana di mia vita


CCCXXXII


Mia benigna fortuna e ’l viver lieto,
i chiari giorni et le tranquille notti
e i soavi sospiri e ’l dolce stile
che solea resonare in versi e ’n rime,
vòlti subitamente in doglia e ’n pianto,
odiar vita mi fanno, et bramar morte.

Crudel, acerba, inexorabil Morte,
cagion mi dài di mai non esser lieto,
ma di menar tutta mia vita in pianto,
e i giorni oscuri et le dogliose notti.
I mei gravi sospir’ non vanno in rime,
e ’l mio duro martir vince ogni stile.

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29. Juli 2013



CCCXXXIII


Ite, rime dolenti, al duro sasso
che ’l mio caro thesoro in terra asconde,
ivi chiamate chi dal ciel risponde,
benché ’l mortal sia in loco oscuro et basso.

Ditele ch’i’ son già di viver lasso,
del navigar per queste horribili onde;
ma ricogliendo le sue sparte fronde,
dietro le vo pur cosí passo passo,

sol di lei ragionando viva et morta,
anzi pur viva, et or fatta immortale,
a ciò che ’l mondo la conosca et ame.

Piacciale al mio passar esser accorta,
ch’è presso omai; siami a l’incontro, et quale
ella è nel cielo a sé mi tiri et chiame.



30. Juli 2013


Und so, schmerzvolle Verse, hin zum harten Stein,
der meinen teuren Schatz bedeckt im Erdreich,
dort ruft mir die, die mir vom Himmel Antwort gibt,
auch wenn das Sterbliche in dunkler Tiefe weilt.

Sagt ihr, dass ich des Lebens müde bin,
und auch der Schifffahrt auf entsetzten Wogen;
aber im Sammeln ihrer ausgestreuten Blätter
folge ich ihr dennoch Schritt für Schritt,

nur ihr nachdenkend, ihrem Leben, ihrem Tod,
nein, nur ihrem Leben, das nun unsterblich wurde,
damit die Welt sie kennt und liebt.

Möge sie doch auf meine Heimkunft Achtung haben,
die nun schon naht; möge sie mir entgegen kommen, und wie
sie ist im Himmel, zu sich mich ziehn und rufen.




CCCXXXIV


S’onesto amor pò meritar mercede,
et se Pietà anchor pò quant’ella suole,
mercede avrò, ché piú chiara che ’l sole
a madonna et al mondo è la mia fede.

Già di me paventosa, or sa(nol crede)
che quello stesso ch’or per me si vòle,
sempre si volse; et s’ella udia parole
o vedea ’l volto, or l’animo e ’l cor vede.

Ond’i’ spero che ’nfin al ciel si doglia
di miei tanti sospiri, et cosí mostra,
tornando a me sí piena di pietate;

et spero ch’al por giú di questa spoglia
venga per me con quella gente nostra,
vera amica di Cristo et d’Onestate.



31. Juli 2013


Wenn ernste Liebe Lohn gewinnt,
und wenn das Mitleid tut, was es vermag,
dann wird mir Lohn, denn klarer als die Sonne
erscheint der Welt und meiner Frau, wie treu ich bin.

Einst war sie furchtsam, nun weiß sie (glaubt nicht nur),
dass eben jenes, dass ich nun für mich begehre,
ich immer wünschte; und wenn sie einst nur Wörter hörte,
nur mein Gesicht sah, so sieht sie nun die Seele und das Herz.

Weshalb ich hoffe, dass nun endlich sie sich annimmt
meiner steten Seufzer, und dies auch zeigt,
sich mir voll Mitleid zukehrt;

und hoffe, dass, wenn mir die Leibeshülle fällt,
sie zu mir komme, mit unsrer ganzen Schar,
wahrhaftig Freundin Christi und der Ehrbarkeit.
S’onesto amor pò meritar mercede


CCCXXXV


Vidi fra mille donne una già tale,
ch'amorosa paura il cor m'assalse,
mirandola in imagini non false
a li spirti celesti in vista eguale.

Nïente in lei terreno era o mortale,
sí come a cui del ciel, non d'altro, calse.
L'alma ch'arse per lei sí spesso et alse,
vaga d'ir seco, aperse ambedue l'ale.

Ma tropp'era alta al mio peso terrestre,
et poco poi n'uscì in tutto di vista:
di che pensando anchor m'aghiaccio et torpo.

O belle et alte et lucide fenestre,
onde colei che molta gente attrista
trovò la via d'entrare in sí bel corpo!
 


01. August 2013


Ich sah von tausend Frauen eine nur,
bei der die Liebesangst ans Herz mir griff,
die ich in wahren Bildern nur beschaute,
des Himmels Geistern gleich im Angesicht.

Nichts an ihr war von dieser Welt, war sterblich,
und nur der Himmel war ihr wert, nicht anderes.
Die Seele, die für sie so oft entbrannt und frostig,
wollte ihr folgen, spannte beide Flügel aus.

Doch viel zu schwer war noch mein irdisches Gewicht,
und rasch entschwand sie meinem Blick zur Gänze:
woran zu denken immer noch mich frösteln lässt, erstarren.

O schöne, hohe, helle Fenster,
durch die er, der so viele traurig macht,
den Weg fand, in den edlen Körper einzutreten!



CCCXXXVI


Tornami a la mente, anzi v’è dentro, quella
ch’indi per Lethe esser non pò sbandita,
qual io la vidi in su l’età fiorita,
tutta accesa de’ raggi di sua stella.

Sí nel mio primo occorso honesta et bella
veggiola, in sé raccolta, et sí romita,
ch’i’ grido: - Ell’è ben dessa; anchor è in vita -,
e ’n don le cheggio sua dolce favella.

Talor risponde, et talor non fa motto.
I’ come huom ch’erra, et poi piú dritto estima,
dico a la mente mia: - Tu se’ ’ngannata.

Sai che ’n mille trecento quarantotto,
il dí sesto d’aprile, in l’ora prima,
del corpo uscío quell’anima beata. -



02. August 2013


Es kehrt zum Geist zurück, vielmehr sie ist darinnen, jene
die dort zu sein von Lethe selbst nicht wird gehindert,
so wie ich sie einst sah in Jugendblüte,
ganz eingehüllt in ihres Sternes Strahlen.

Ja, ganz unverstellt mir schön und erhaben
sehe ich sie, versammelt in sich selbst, und einsam,
so rufe ich: - Das ist sie selbst; sie lebt noch -,
und bitte sie, die süße Stimme zu erheben.

Mal gibt sie Antwort, mal nicht den geringsten Laut.
Und ich, wie ein getäuschter Mensch, der es nun wissen möchte,
sage zu meinem Geist: - Du bist betrogen.

Weißt doch, dass Dreizehnhundertachtunvierzig
am sechsten Tage des April, zur ersten Stunde,
vom Leib die edle Seele fortging. -




CCCXXXVII


Quel, che d’odore et di color vincea
l’odorifero et lucido orïente,
frutti fiori herbe et frondi (onde ’l ponente
d’ogni rara eccellentia il pregio avea),

dolce mio lauro, ove habitar solea
ogni bellezza, ogni vertute ardente,
vedeva a la sua ombra honestamente
il mio signor sedersi et la mia dea.

Ancor io il nido di penseri electi
posi in quell’alma pianta; e ’n foco e ’n gielo
tremando, ardendo, assai felice fui.

Pieno era il mondo de’ suoi honor’ perfecti,
allor che Dio per adornarne il cielo
la si ritolse: et cosa era da lui.



03. August 2013


Der, der an Duft und Farbe einst besiegte
den duftenden und lichten Orient,
Früchte und Blüten, Gräser und das Laub (von wo der Westen
sich den Preis nahm für die höchste Leistung),

mein süßer Lorbeerbaum, in dem ganz einzig wohnte
alle Schönheit, alle Glut der Tugend,
sah in seinem Schatten ehrbar und verehrt
den Herren über mich und meine Göttin sich platzieren.

Noch einmal setzte ich das Nest erwähltester Gedanken
in diese segensreiche Pflanze; und ob bei Feuer, ob bei Frost
zitternd, erglühend, war ich glücklich.

Voll war die Welt von ihren reinsten Ehren,
als Gott, den Himmel zu verzieren,
sie zu sich nahm: und er tat gut daran.




CCCXXXVIII


Lasciato ài, Morte, senza sole il mondo
oscuro et freddo, Amor cieco et inerme,
leggiadria ignuda, le bellezze inferme,
me sconsolato et a me grave pondo,

cortesia in bando et honestate in fondo.
Dogliom’io sol, né sol ò da dolerme,
ché svelt’ài di vertute il chiaro germe:
spento il primo valor, qual fia il secondo?

Pianger l’aer et la terra e ’l mar devrebbe
l’uman legnaggio, che senz’ella è quasi
senza fior’ prato, o senza gemma anello.

Non la conobbe il mondo mentre l’ebbe:
conobbil’io, ch’a pianger qui rimasi,
e ’l ciel, che del mio pianto or si fa bello.



04. August 2013


Du hast, o Tod, die Welt gelassen ohne Sonne,
verdunkelt und in Kälte, Amor blind und waffenlos,
die Anmut nackt, die Schönheit unkeusch,
mich ohne Trost und für mich selbst zur Last gemacht,

Anstand verbannt und Ehrbarkeit zu Boden.
Ich quäle mich, als sei nur ich Gequälter,
wo du dem reinen Keim die Kraft geraubt:
der erste Wert verbraucht, wo bleibt der zweite?

Beweinen soll die Luft, die Erde und das Meer
der Menschen Kreis, der ohne sie so leer ist wie
die Wiese ohne Blumen, ein Ring, des Steins beraubt.

Die Welt verkannte sie, als sie noch ihr gehörte:
ich kannte sie, der ich zum Weinen hier zurückblieb,
und auch der Himmel, der sich mit der Beweinten schmückt nun.



CCCXXXIX


Conobbi, quanto il ciel li occhi m’aperse,
quanto studio et Amor m’alzaron l’ali,
cose nove et leggiadre, ma mortali,
che ’n un soggetto ogni stella cosperse:

l’altre tante sí strane et sí diverse
forme altere, celesti et immortali,
perché non furo a l’intellecto eguali,
la mia debil vista non sofferse.

Onde quant’io di lei parlai né scrissi,
ch’or per lodi anzi a Dio preghi mi rende,
fu breve stilla d’infiniti abissi:

ché stilo oltra l’ingegno non si stende;
et per aver uom li occhi nel sol fissi,
tanto si vede men quanto piú splende.



05. August 2013


Ich kannte, so weit der Himmel mir die Augen öffnete,
so weit die Mühe und Gott Amor mir die Flügel gaben,
die neuen, anmutigen, doch sterblichen Erscheinungen,
die allen Sternen wesenhaft verbunden waren:

die anderen so seltsamen, verschiedenen
Gestalten, himmlisch und ohne Wandel,
dem Geist des Menschen nicht verwandt,
nahm doch mein schwacher Blick nicht wahr.

Weshalb, was ich von ihr gesprochen und geschrieben,
von ihr, die nun vor Gott zum Lobe für mich bittet,
nur kurzer Flug war über unermesslich weite Gründe:

da denn das Sprachvermögen nicht des Verstandes Grenzen überwindet;
und wenn der Mensch die Augen in die Sonne wendet,
sieht er je weniger, je heller diese scheint.




CCCXL


Dolce mio caro et precïoso pegno,
che natura mi tolse, e ’l Ciel mi guarda,
deh come è tua pietà ver’ me sí tarda,
o usato di mia vita sostegno?

Già suo’ tu far il mio sonno almen degno
de la tua vista, et or sostien’ ch’i’ arda
senz’alcun refrigerio: et chi ’l retarda?
Pur lassú non alberga ira né sdegno:

onde qua giuso un ben pietoso core
talor si pasce delli altrui tormenti,
sí ch’elli è vinto nel suo regno Amore.

Tu che dentro mi vedi, e ’l mio mal senti,
et sola puoi finir tanto dolore,
con la tua ombra acqueta i miei lamenti.



06. August 2013


Mein süßes, teures, liebes Pfand,
das die Natur mir raubte, der Himmel mir bewahrt,
ach, wie spät gewährst du mir dein Mitleid,
die du mir Stütze meines Lebens warst?

Einst hattest du zum mindesten den Traum gewürdigt
deines Besuches, doch nun erlaubst du, dass ich glühe
ohne jede Kühlung: wer hält dich den zurück?
Wo doch da oben weder Zorn noch Feindschaft:

Während hier unten ein wohl mitleidsvolles Herz
sich manchmal nährt an fremdem Leiden,
so dass die Liebe wird besiegt im eignen Reiche.

Du, die du mir ins Herz schaust, meine Qualen spürst,
und einzig diesen Schmerz beenden kannst,
stille meine Klagen mit deinem kühlen Schatten.




CCCXLI


Deh qual pietà, qual angel fu sí presto
a portar sopra ’l cielo il mio cordoglio?
Ch’anchor sento tornar pur come soglio
madonna in quel suo atto dolce honesto

ad acquetare il cor misero et mesto,
piena sí d’umiltà, vòta d’orgoglio,
e ’nsomma tal ch’a morte i’ mi ritoglio,
et vivo, e ’l viver piú non m’è molesto.

Beata s’è, che pò beare altrui
co la sua vista, over co le parole,
intellecte da noi soli ambedui:

- Fedel mio caro, assai di te mi dole,
ma pur per nostro ben dura ti fui, -
dice, et cos’altre d’arrestare il sole.



07. August 2013


Ach, welches Mitleid, welcher Engel war so rasch,
mein Leiden auf zum Himmel hoch zu tragen?
So dass ich noch einmal im Glanze wiederkehren fühle
die Herrin in vertrauter Huld und Neigung,

um mir das Herz zu stillen, elendsvoll und düster,
voll Demut ja, ganz ohne Stolz,
kurz: so, dass ich vom Tod mich wieder wende
und lebe, und das Leben nicht mehr lästig finde.

Gesegnet sei, wer andere beglücken kann
mit seinem Anblick, mit seinen Worten,
verständlich nur uns beiden:

- Mein treuer Liebster, wie leide ich um dich,
doch nur für unser Wohl war ich so streng zu dir, -
sagt sie, und anderes, den Lauf der Sonne aufzuhalten.
Deh qual pietà, qual angel fu sí presto


CCCXLII


Del cibo onde ’l signor mio sempre abonda,
lagrime et doglia, il cor lasso nudrisco,
et spesso tremo et spesso impallidisco,
pensando a la sua piaga aspra et profonda.

Ma chi né prima simil né seconda
ebbe al suo tempo, al letto in ch’io languisco
vien tal ch’a pena a rimirarl’ ardisco,
et pietosa s’asside in su la sponda.

Con quella man che tanto desïai,
m’asciuga gli occhi, et col suo dir m’apporta
dolcezza ch’uom mortal non sentí mai.

- Che val - dice - a saver, chi si sconforta?
Non pianger piú: non m’ài tu pianto assai?
Ch’or fostú vivo, com’io non son morta! -



08. August 2013


Von der Speise, die mein Herr im Überfluss mir reicht,
Tränen und Schmerz, ernähre ich, ach, das Herz,
und oft erzittere ich und oft erbleiche ich,
wenn ich an seine bittere und tiefe Wunde denke.

Doch sie, die ihresgleichen keine hatte
zu ihrer Zeit, zum Bett, in dem ich nun verlösche,
kommt sie, ich wage kaum, sie anzuschauen,
und setzt sich nieder auf die Kante.

Mit jener Hand, die ich so sehr begehrte,
trocknet sie mir die Augen, und mit ihren Worten
bringt sie Süße, die ein Sterblicher nie kannte.

- Was hilft - fragt sie - zu wissen dem, der derart leidet?
Schluß mit dem Weinen: hast du mir nicht genug geweint?
Wo du nun leben wirst, wie ich nicht tot bin! -




CCCXLIII


Ripensando a quel, ch’oggi il cielo honora,
soave sguardo, al chinar l’aurea testa,
al volto, a quella angelica modesta
voce che m’adolciva, et or m’accora,

gran meraviglia ò com’io viva anchora:
né vivrei già, se chi tra bella e honesta,
qual fu piú, lasciò in dubbio, non sí presta
fusse al mio scampo, là verso l’aurora.

O che dolci accoglienze, et caste, et pie;
et come intentamente ascolta et nota
la lunga historia de le pene mie!

Poi che ’l dí chiaro par che la percota,
tornasi al ciel, ché sa tutte le vie,
humida gli occhi et l’una et l’altra gota.



09. August 2013


Denk ich an den, der nun den Himmel schmückt,
den sanften Blick, an das geneigte, strahlenvolle Haupt,
an das Gesicht, an jene engelshaft bescheidne
Stimme, die mich entzückte, doch nun foltert,

dann frage ich mich doch, wie ich noch leben mag:
ich lebte nicht, wenn nicht in Schönheit und in Tugend,
wobei ich zweifle, wovon mehr vorhanden, sie nicht eilte
zu meiner Rettung, als die Morgensonne nahte.

Welch süßes Treffen, keusch und mitleidsvoll;
und wie sie aufmerksam geduldig lauschte
der langen Liste meiner großen Schmerzen!

Als dann der lichte Tag sie zu behelligen schien,
kehrte sie sich zum Himmel, die sie alle Wege kennt,
die Augen und die Wangen beide feucht.



CCCXLIV


Fu forse un tempo dolce cosa amore,
non perch’i’sappia il quando: or è sí amara,
che nulla piú; ben sa ’l ver chi l’impara
com’ò fatt’io con mio grave dolore.

Quella che fu del secol nostro honore,
or è del ciel che tutto orna et rischiara,
fe’ mia requie a’ suoi giorni et breve et rara:
or m’à d’ogni riposo tratto fore.

Ogni mio ben crudel Morte m’à tolto:
né gran prosperità il mio stato adverso
pò consolar di quel bel spirto sciolto.

Piansi et cantai: non so piú mutar verso;
ma dí et notte il duol ne l’alma accolto
per la lingua et per li occhi sfogo et verso.



10. August 2013


Vielleicht war einst die Liebe süße Sache,
nicht, dass ich wüsste, wann: nun ist sie bitter,
nichts weiter; die Wahrheit kennt, wer sie studiert hat
wie ich in meinem tiefen Schmerz.

Sie, die zur Zierde wurde unsrer Zeit,
ist nun des Himmels Licht und Ornament,
nur selten gab sie mir einst kurze Ruhe:
nun hat sie jede Rast von mir genommen.

All mein Gut hat mir der böse Tod geraubt:
auch nicht das große Heil kann meinen umgestürzten Zustand
trösten, das jener schöne, losgelöste Geist nun haben mag.

Ich weinte und ich sang: ich kann das Lied nicht ändern;
vielmehr bei Tag und Nacht lass' ich das Übermaß des Schmerzes
die Zunge und die Augen frei passieren, strömen.




CCCXLV


Spinse amor et dolor ove ir non debbe
la mia lingua avïata a lamentarsi,
a dir di lei per ch’io cantai et arsi
quel che, se fusse ver, torto sarebbe:

ch’assai ’l mio stato rio quetar devrebbe
quella beata, e ’l cor racconsolarsi
vedendo tanto lei domesticarsi
con colui che vivendo in cor sempre ebbe.

Et ben m’acqueto, et me stesso consolo;
né vorrei rivederla in questo inferno,
anzi voglio morire et viver solo:

ché piú bella che mai con l’occhio interno
con li angeli la veggio alzata a volo
a pie’ del suo et mio Signore eterno.



11. August 2013


Liebe und Schmerz, sie drängten wohin sie nicht sollte
die Zunge mir, gelöst in Klagen,
zu sagen von der einen, für die ich sang und brannte,
das was, wäre es wahr, Verkehrung wäre:

dass sie den unglücksvollen Zustand mir erlösen solle,
die Selige, und sich das Herz versöhnen,
wenn es sie sieht, wie sie bei jenem einkehrt
den sie im Leben stets im Herzen trug.

Und ich beruhige mich, ich tröste mich;
ich möche sie nicht mehr in dieser Hölle sehen,
eher doch sterben und alleine leben:

denn schöner noch als je sehe ich mit innerem Auge
sie mit den Engeln hoch auf fliegen
zu Füßen ihres und auch meines ewigen Herren.




CCCXLVI


Li angeli electi et l’anime beate
cittadine del cielo, il primo giorno
che madonna passò, le fur intorno
piene di meraviglia et di pietate.

- Che luce è questa, et qual nova beltate?
- dicean tra lor - perch’abito sí adorno
dal mondo errante a quest’alto soggiorno
non salí mai in tutta questa etate".

Ella, contenta aver cangiato albergo,
si paragona pur coi piú perfecti,
et parte ad or ad or si volge a tergo,

mirando s’io la seguo, et par ch’aspecti:
ond’io voglie et pensier’ tutti al ciel ergo
perch’i’ l’odo pregar pur ch’i’ m’affretti.



12. August 2013


Die auserwählten Engel und die seligen Seelen,
Bürgerinnen des Himmels, am ersten Tag
als meine Herrin aufstieg, waren sie um sie,
voller Erstaunen und voll Anteilnahme.

- Welch Licht ist diese, welche neue Schönheit? -
sprachen sie bei sich - warum ist ein geschmücktes Wesen
von dieser Art aus wirrer Welt zu unserm hohen Aufenthalt
noch nie zuvor emporgestiegen in all der Zeit?

Sie aber, obgleich zufrieden mit dem Wechsel,
vergleicht sich nur mit den vollendetsten Gestalten
und wendet sich von Zeit zu Zeit zurück,

zu sehen, ob ich folge, es scheint, sie wartet:
denn ich begehre und denke nur des Himmels,
da ich sie bitten höre, mich zu beeilen.



CCCXLVII


Donna che lieta col Principio nostro
ti stai, come tua vita alma rechiede,
assisa in alta et glorïosa sede,
et d’altro ornata che di perle o d’ostro,

o de le donne altero et raro mostro,
or nel volto di Lui che tutto vede
vedi ’l mio amore, et quella pura fede
per ch’io tante versai lagrime e ’nchiostro;

et senti che vèr te ’l mio core in terra
tal fu, qual ora è in cielo, et mai non volsi
altro da te che ’l sol de li occhi tuoi:

dunque per amendar la lunga guerra
per cui dal mondo a te sola mi volsi,
prega ch’i’ venga tosto a star con voi.



12. August 2013


Frau, die du fröhlich nun mit unserem Ersten
Prinzip zusammen bist, wie es dein Lebenssinn gefordert,
sitzend auf hohem und verklärtem Thron,
mit anderem geschmückt als Perlen oder Purpur,

o du der Frauen hohes und so rares Wunderwesen,
nun siehst du mit dem Blick des Einen, der alles sieht
meine Liebe, und diese reine Treue,
für die ich viele Tränen und auch Tinte vergossen habe;

und spürst, mein Herz war dir auf Erden zugeneigt
so wie im Himmel nun, und niemals wollte ich
von dir andere Gunst als nur die Sonne deiner Augen:

darum, den langen Krieg zu enden,
wofür ich mich zu dir von dieser Erde wende,
wünsche ich, rasch zu euch zu kommen um mit euch zu sein.




CCCXLVIII


Da’ piú belli occhi, et dal piú chiaro viso
che mai splendesse, et da piú bei capelli,
che facean l’oro e ’l sol parer men belli,
dal piú dolce parlare et dolce riso,

da le man’, da le braccia che conquiso
senza moversi avrian quai piú rebelli
fur d’Amor mai, da’ piú bei piedi snelli,
da la persona fatta in paradiso,

prendean vita i miei spirti: or n’à diletto
il Re celeste, i Suoi alati corrieri;
et io son qui rimaso ignudo et cieco.

Sol un conforto a le mie pene aspetto:
ch’ella, che vede tutt’i miei penseri,
m’impetre grazia, ch’i’ possa esser seco.


14. August 2013


Von den schönsten Augen, und vom hellsten Antlitz
das je erstrahlte, und von den schönsten Haaren,
die Gold und Sonnenglanz verblassen lassen,
vom süßesten Palaver und vom süßen Lachen,

von den Händen, von den Armen die erobert haben könnten
ohne sich zu rühren die größten Feinde
Amors, von den schönsten schnellen Füßen,
die noch im Paradies Gestalt gefunden,

nahmen meine Geisteskräfte Leben: nun vergnügen sich
daran des Himmels Herr und seine geflügelten Kuriere;
und ich blieb hier zurück, ganz nackt und blind.

Nur einen Trost erwarte ich für meine Leiden:
dass sie, die alle meine Gedanken sieht,
mir gewährt die Freundlichkeit, mit ihr zu sein.




CCCXLIX


E’ mi par d’or in hora udire il messo
che madonna mi mande a sé chiamando:
cosí dentro et di for mi vo cangiando,
et sono in non molt’anni sí dimesso,

ch’a pena riconosco omai me stesso;
tutto ’l viver usato ò messo in bando.
Sarei contento di sapere il quando,
ma pur dovrebbe il tempo esser da presso.

O felice quel dí che, del terreno
carcere uscendo, lasci rotta et sparta
questa mia grave et frale et mortal gonna,

et da sí folte tenebre mi parta,
volando tanto su nel bel sereno,
ch’i’ veggia il mio Signore et la mia donna.



15. August 2013


Ich meine stündlich hör ich schon den Boten,
den meine Dame sendet, mich zu sich zu rufen:
so fahre ich fort, im Innen und im Außen mich zu wenden,
und bin in wenigen Jahren schon so fremd geworden,

dass ich mich kaum selbst noch erkennen mag;
und mein vertrautes Leben hab ich hingegeben.
Zufrieden wäre ich, zu wissen, wann,
doch weiß ich wohl, es dauert nicht mehr lange.

Glücklich der Tag, an dem ich des Leibes Kerker
verlasse, lasse zerrissen und zerstreut zurück
dies mein belastendes, mein sterbliches Gewand,

und aus dem dichten Dunkel mich befreie,
und durch die lichte Helle fliege,
wo ich den Herrn und die Geliebte mein erkenne.



CCCL


Questo nostro caduco et fragil bene,
ch’è vento et ombra, et à nome beltate,
non fu già mai se non in questa etate
tutto in un corpo, et ciò fu per mie pene:

ché Natura non vòl, né si convene,
per far ricco un, por li altri in povertate;
or vèrso in ogni sua largitate
(perdonimi qual è bella, o si tene).

Non fu simil bellezza anticha o nova,
né sarà, credo; ma fu sí converta,
ch’a pena se n’accorse il mondo errante.

Tosto disparve: onde ’l cangiar mi giova
la poca vista a me dal cielo offerta
sol per piacer a le sue luci sante.



16. August 2013


Dies unser vorübergehendes, zerbrechlich Gut,
das Wind und Schatten ist, den Namen "Schönheit" trägt,
war nie, wenn nicht in dieser Zeit,
versammelt je in einem Leib, und so zu meinem Leiden:

da die Natur nicht strebt, und es sich auch nicht ziemt,
einen nur reich zu machen, die anderen in Armut zu verstoßen;
und doch hat sie in ihrer Größe dies getan
(verzeiht mir alle, die ihr schön seid oder so euch dünkt).

Nie war dergleichen Schönheit in der alten, in der neuen Zeit,
und wird nie nochmals sein, so glaub' ich; doch war sie so verborgen,
dass kaum die tumbe Welt es wahrgenommen hat.

Bald schied sie hin: ein Tausch, der mich erfreut,
der schwache Anblick, den der Himmel mir gewährte,
gegen die Freude an ihrem seligen Schauen.




CCCLI


Dolci durezze, et placide repulse,
piene di casto amore et di pietate;
leggiadri sdegni, che le mie infiammate
voglie tempraro ( or me n’accorgo), e ’nsulse;

gentil parlar, in cui chiaro refulse
con somma cortesia somma honestate;
fior di vertú, fontana di beltate,
ch’ogni basso penser del cor m’avulse;

divino sguardo da far l’uom felice,
or fiero in affrenar la mente ardita
a quel che giustamente si disdice,

or presto a confortar mia frale vita:
questo bel varïar fu la radice
di mia salute, ch’altramente era ita.



17. August 2013


Süße Härten, und sanfte Zurückweisungen,
voll keuscher Liebe und Erbarmen;
Missbilligung voll Anmut, die meine aufgeflammten
Wünsche besänftigte (nun sehe ich es ein), und bannte;

gesetzte Rede, in der hell funkelte
mit ganzer Höflichkeit die ganze Ehrbarkeit;
Blume der Tugend, Quelle der Schönheit,
was jeden niedrigen Gedanken aus meinem Herzen schied;

himmlischer Blick, der Menschen glücklich machen kann,
nun streng, den kühnen Geist zurück zu halten
von dem, was man mit Recht nicht zulässt,

nun rasch dabei, mein schwaches Leben aufzurichten:
die schöne Kehre war der Grund
für mein Heil, das sonst verloren wäre.




CCCLII


Spirto felice che sí dolcemente
volgei quelli occhi, piú chiari che ’l sole,
et formavi i sospiri et le parole,
vive ch’anchor mi sonan ne la mente:

già ti vid’io, d’onesto foco ardente,
mover i pie’ fra l’erbe et le vïole,
non come donna, ma com’angel sòle,
di quella ch’or m’è piú che mai presente;

la qual tu poi, tornando al tuo fattore,
lasciasti in terra, et quel soave velo
che per alto destin ti venne in sorte.

Nel tuo partir, partí nel mondo Amore
et Cortesia, e ’l sol cadde del cielo,
et dolce incominciò farsi la morte.



18. August 2013


Glücklicher Geist, der du so unbekümmert
die Augen schweifen ließest, heller als die Sonne,
und die Seufzer und die Worte formtest,
die lebendig mir im Geist noch widerhallen:

schon seh' ich dich, von reinem Feuer glühend,
die Füße zwischen Gras und Veilchen setzen,
nicht Frauen gleichend, sondern wie ein Engel,
als jene, die mir mehr den je nun gegenwärtig;

die du, zurück zu deinem Schöpfer kehrend,
dann auf der Erde ließest, und jenen weichen Schleier,
der dir zuteil war durch dein hohes Los.

Als du gingst, verließ die Welt die Liebe
und sittliches Betragen, die Sonne fiel vom Himmel,
und lockend wurde, an den Tod zu denken.




CCCLIII


Vago augelletto che cantando vai,
over piangendo il tuo tempo passato,
vedendoti la notte e ’l verno a lato
e ’l dí dopo le spalle e i mesi gai,

se, come i tuoi gravosi affanni sai,
cosí sapessi il mio simile stato,
verresti in grembo a questo sconsolato
a partir seco i dolorosi guai.

I’ non so se le parti sarian pari,
ché quella cui tu piangi è forse in vita,
di ch’a me Morte e ’l ciel son tanto avari;

ma la stagione et l’ora men gradita,
col membrar de’ dolci anni et de li amari,
a parlar teco con pietà m’invita.



19. August 2013


Unstetes Vöglein, das du singend reist,
vielmehr beweinend, was vergangen ist,
und siehst die Nacht und auch den Winter dir zur Seite
und hinter dir den Tag und frohe Zeiten,

wenn, wie du deine schweren Sorgen kennst,
du auch mein, deinem gleichend, Leiden kenntest,
kämst du zum Trost dem Untröstlichen,
um mit ihm allen Schmerz zu teilen.

Nicht sicher bin ich, ob wir wirklich Gleiches teilen,
die du beweinst, ist vielleicht noch am Leben,
die meine wird von Tod und Himmel vorenthalten;

doch Jahreszeit und Stunde machen bange
mit der Erinnerung an süße und auch bittere Jahre
und machen mich zum Zwiegespräch mit dir geneigt.


Vago augelletto che cantando vai


CCCLIV


Deh porgi mano a l’affannato ingegno,
Amor, et a lo stile stancho et frale,
per dir di quella ch’è fatta immortale,
et cittadina del celeste regno;

dammi, signor, che ’l mio dir giunga al segno
de le sue lode, ove per sé non sale,
se vertú, se beltà non ebbe eguale
il mondo, che d’aver lei non fu degno.

Responde: - Quanto ’l ciel et io possiamo,
e i buon’ consigli, e ’l conversar honesto,
tutto fu in lei, di che noi Morte à privi.

Forma par non fu mai dal dí ch’Adamo
aperse li occhi in prima; et basti or questo:
piangendo i’ l’ dico, et tu piangendo scrivi. -



20. August 2013


Nun auf, reiche die Hand dem leergeschöpften Geist,
Gott Amor, und dem müden, ausgelutschten Griffel,
zu künden von der einen, die nun unsterblich wurde
und Bürgerin des Reiches aller Himmel;

gib mir, du Herr, dass meine Worte Zeichen werden
ihres Lobes, wozu sie nicht aus eignen Kräften taugen,
wo doch nicht Tugend, auch nicht Schönheit solcher Arten hatte
die Welt, die ihrer sich nicht würdig hat erwiesen.

Drauf er: - Was nur der Himmel und auch ich vermochten,
und was der gute Ratschlag und der rechte Umgang,
dies alles war in ihr, die uns der Tod nun raubte.

Keine Gestalt war ihrer gleich seit jenem Tag da Adam
die Augen erstmals öffnete; genug davon:
ich sag es weinend, du sollst weinend schreiben. -



CCCLV


O tempo, o ciel volubil, che fuggendo
inganni i ciechi et miseri mortali,
o dí veloci piú che vento et strali,
ora ab experto vostre frodi intendo:

ma scuso voi, et me stesso riprendo,
ché Natura a volar v’aperse l’ali,
a me diede occhi, et io pur ne’ miei mali
li tenni, onde vergogna et dolor prendo.

Et sarebbe ora, et è passata omai,
di rivoltarli, in piú secura parte,
et poner fine a li ’nfiniti guai;

né dal tuo giogo, Amor, l’alma si parte,
ma dal suo mal; con che studio tu ’l sai;
non a caso è vertute, anzi è bell’arte.



21. August 2013


O Zeit, o wechselvoller Himmel, der du fliehend
betrügst die blind elenden Sterblichen,
o Tage, rascher als der Wind und Bogenschüsse,
nun kenn' ich aus Erfahrung euren Lug und Trug:

doch ich verzeihe euch, mich selbst nehm ich mir vor,
euch öffnete Natur die Schwingen für den Flug,
mir gab sie Augen, doch nur das eigne Weh zu sehen
setzt' ich sie ein, was mich zutiefst beschämt und schmerzt.

Es wäre höchste Zeit, sie ist doch schon vergangen,
sie abzuwenden, auf ein bess'res Ziel zu richten,
endloser Quälerei ein Ende zu bereiten;

doch deinem Spiel, Gott Amor, will der Geist sich nicht entziehen,
nur seinem Übel; mit welchem Eifer, weißt du wohl;
Tugend kommt nicht von ungefähr, ist eine hohe Kunst.




CCCLVI


L’aura mia sacra al mio stanco riposo
spira sí spesso, ch’i’ prendo ardimento
di dirle il mal ch’i’ò sentito et sento,
che, vivendo ella, non sarei stat’oso.

I’ incomincio da quel guardo amoroso,
che fu principio a sí lungo tormento,
poi seguo come misero et contento,
di dí in dí, d’ora in hora, Amor m’à roso.

Ella si tace, et di pietà depinta,
fiso mira pur me; parte sospira,
et di lagrime honeste il viso adorna:

onde l’anima mia dal dolor vinta,
mentre piangendo allor seco s’adira,
sciolta dal sonno a se stessa ritorna.



22. August 2013


Die mir gesellte Geistin, in meine müde Zuflucht
weht sie so oft nun, heilig, dass den Mut ich fasse,
ihr zu sagen, wie ich litt und leide,
was, als sie lebte, ich nicht hätte wagen dürfen.

Ich hebe an mit jenem ersten Liebesblick,
der Anfang war von solcher langen Quälerei,
dann fahr ich fort, wie elendig und froh,
von Tag zu Tag, Stunde um Stunde, mich die Liebe trieb.

Sie schweigt, und Mitleid zeichnet sich in ihre Züge,
mir zugewendet; bisweilen seufzt sie,
und mit franken Tränen schmückt sie ihr Gesicht:

woher die Seele mein der Schmerz bezwingt,
doch weinend über sich erzürnt,
kehrt sie erwachend aus dem Traum zu sich zurück.




CCCLVII


Ogni giorno mi par piú di mill’anni
ch’i’ segua la mia fida et cara duce,
che mi condusse al mondo, or mi conduce,
per miglior via, a vita senza affanni:

et non mi posson ritener l' inganni
del mondo, ch’i’ ’l conosco; et tanta luce
dentro al mio core infin dal ciel traluce
ch’i’ ’ncomincio a contar il tempo e i danni.

Né minaccie temer debbo di morte,
che ’l Re sofferse con piú grave pena,
per farme a seguitar constante et forte;

et or novellamente in ogni vena
intrò di lei che m’era data in sorte,
et non turbò la sua fronte serena.



23. August 2013


Ein Tag wie mehr als tausend Jahre mir erscheint,
bis ich der treu verläßlich Liebsten folgen kann,
die mich auf Erden führte, nun mich führt
auf einen besseren Weg, zum Leben ohne Klagen:

und nicht vermögen mich zurück zu halten Lügen
der Welt, da ich ihn kenne; und so viel Licht
erstrahlt vom Himmel her in meinem Herzen,
dass ich genau nun zählen kann die Sünden und die Übel.

Nicht muss vom Tode ich Bedrohung fürchten,
den einst der HERR erlitt mit größrer Pein,
um standhaft und beständig ein Nachfolgender zu sein;

und jüngst erst hat er sich in alle Adern
geschlichen jener, die zum Lose mir gegeben war,
und konnte ihr nicht trüben ihre heitere Stirn.




CCCLVIII


Non pò far Morte il dolce viso amaro,
ma ’l dolce viso dolce pò far Morte.
Che bisogn’a morir ben altre scorte?
Quella mi scorge ond’ogni ben imparo;

et Quei che del suo sangue non fu avaro,
che col pe’ ruppe le tartaree porte,
col suo morir par che mi riconforte.
Dunque vien’, Morte: il tuo venir m’è caro.

Et non tardar, ch’egli è ben tempo omai;
et se non fusse, e’ fu ’l tempo in quel punto
che madonna passò di questa vita.

D’allor innanzi un dí non vissi mai:
seco fui in via, et seco al fin son giunto,
et mia giornata ò co’ suoi pie’ fornita.



24. August 2013


Nicht kann der Tod das süße Antlitz bitter machen,
doch kann das süße Antlitz süß den Tod erscheinen lassen.
Wie könnte ich zum Sterben bess're Führung finden?
Sie führt mich nun, von der ich alles Gute lernte;

und JENER, der sein eigen Blut nicht sparte,
und der des Tartaros Portal mit seinen Füßen sprengte,
er könnte mich mit seinem Sterben trösten.
So komm, o Tod: dein Kommen ist mir lieb und wert.

Und zögere nicht, wo es doch schon ist gute Zeit;
und wäre es auch nicht, es war schon Zeit an jenem Punkt,
als meine Dame schied aus diesem Leben.

Seitdem war ich nicht einen Tag mehr lebend:
mit ihr war ich gegangen, mit ihr bin ich verbunden nun,
und meinen Tag hab ich mit ihrem Schritt vereint.

Non pò far Morte il dolce viso amaro


CCCLIX


Quando il soave mio fido conforto
per dar riposo a la mia vita stanca
ponsi del letto in su la sponda manca
con quel suo dolce ragionare accorto,
tutto di pietà et di paura smorto
dico:"Onde vien’ tu ora, o felice alma?"
Un ramoscel di palma
et un di lauro trae del suo bel seno,
et dice:"Dal sereno
ciel empireo et di quelle sante parti
mi mossi et vengo sol per consolarti".

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25. August 2013






CCCLX


Quel’antiquo mio dolce empio signore
fatto citar dinanzi a la reina
che la parte divina
tien di natura nostra e ’n cima sede,
ivi, com’oro che nel foco affina,
mi rappresento cerco di dolore,
di paura et d’orrore,
quasi huom che teme morte et ragion chiede;
e ’ncomincio: - Madonna, il manco piede
giovenetto pos’io nel costui regno,
ond’altro ch’ira et sdegno
non ebbi mai; et tanti et sí diversi
tormenti ivi soffersi,
ch’alfine vinta fu quell’infinita
mia patïentia, e ’n odio ebbi la vita.

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26. August 2013



CCCLXI


Dicemi spesso il mio fidato speglio,
l’animo stanco, et la cangiata scorza,
et la scemata mia destrezza et forza:
- Non ti nasconder piú: tu se’ pur vèglio.

Obedir a Natura in tutto è il meglio,
ch’a contender con lei il tempo ne sforza. -
Súbito allor, com’acqua ’l foco amorza,
d’un lungo et grave sonno mi risveglio:

et veggio ben che ’l nostro viver vola
et ch’esser non si pò piú d’una volta;
e ’n mezzo ’l cor mi sona una parola

di lei ch’è or dal suo bel nodo sciolta,
ma ne’ suoi giorni al mondo fu sí sola,
ch’a tutte, s’i’ non erro, fama à tolta.



27. August 2013


Es sagt mir oft mein treuer Spiegel,
mein müder Geist, meine Resignation
und die Erschöpfung von Geschicklichkeit und Kraft:
- Verstecke dich nicht mehr: du bist nun alt.

Gehorchen der Natur in Allem ist das Beste,
mit ihr zu ringen raubt die Zeit die Kraft. -
Und dann, wie Wasser Feuer löscht,
erwache ich aus einem langen, tiefen Schlaf:

und sehe wohl, dass unser Leben flieht,
und dass wir nur ein einzig Leben haben;
und tief im Herzen klingt ein schlichtes Wort

von ihr, die sich von ihrem schönen Band gelöst,
aber zu ihren Erdentagen wohl so einzig war,
dass sie doch alle, wenn ich nicht irre, erniedrigt hat.



CCCLXII


Volo con l'ali de' pensieri al cielo
sí spesse volte che quasi un di loro
esser mi par ch'àn ivi il suo thesoro,
lasciando in terra lo squarciato velo.

Talor mi trema 'l cor d'un dolce gelo
udendo lei per ch'io mi discoloro
dirmi: - Amico, or t'am'io et or t'onoro
perch'à i costumi varïati, e 'l pelo. -

Menami al suo Signor: allor m'inchino,
pregando humilemente che consenta
ch'i' stia a veder et l'uno et l'altro volto.

Responde: - Egli è ben fermo il tuo destino;
et per tardar anchor vent'anni o trenta,
parrà a te troppo, et non fia però molto. -



28. August 2013


Ich fliege auf zum Himmel mit geflügelten Gedanken
so oft, dass ich gewissermaßen bin von denen einer,
die ihren höchsten Schatz dort haben, scheint mir,
und auf der Erde die zerrissene Hülle ließen.

So zittert mir das Herz von süßem Frost,
wenn ich sie höre, für die ich mich entfärbe,
sagen: - Mein Freund, nun liebe ich und ehre dich,
mit Silberhaar und anderem Betragen. -

Zu ihrem Herren führt sie mich: ich knie nieder
und bitte untertänigst, er möge mir gewähren,
hier zu verbleiben, sein, ihr Antlitz zu betrachten.

Er gibt zur Antwort: - Dein Schicksal ist beschlossen;
und sollte es noch zwanzig, dreißig Jahre währen,
wird's dir zu viel erscheinen, doch ist es wenig. -




CCCLXIII


Morte à spento quel sol ch’abagliar suolmi,
e ’n tenebre son gli occhi interi et saldi;
terra è quella ond’io ebbi et freddi et caldi;
spenti son i miei lauri, or querce et olmi:

di ch’io veggio ’l mio ben; et parte duolmi.
Non è chi faccia et paventosi et baldi
i miei penser’, né chi li agghiacci et scaldi,
né chi li empia di speme, et di duol colmi.

Fuor di man di colui che punge et molce,
che già fece di me sí lungo stratio,
mi trovo in libertate, amara et dolce;

et al Signor ch’i’ adoro et ch’i’ ringratio,
che pur col ciglio il ciel governa et folce,
torno stanco di viver, nonché satio.



29. August 2013


Der Tod hat ausgelöscht die Sonne, die mich erhellte,
und dunkel sind die runden, heilen Augen;
zur Erde wurde, die mir Fröste gab und Wärme;
kein Lorbeer mehr, nur Ulmenlaub und Eichen:

von der mir all mein Gutes wurde; und auch der Schmerz.
Keiner ist mehr, der ängstlich oder mutig machte
mein Denken, niemand, der es erhitzt und kühlt,
niemand, der es füllt mit Hoffnung, und mit Schmerzen voll macht.

Fern jenem, der mich stach und koste,
der mir so langen Jammer brachte,
finde ich Freiheit, süß und bitter;

und zu dem Herrn, den ich verehre, dem ich danke,
der mit dem Lidschlag das Jenseits regiert und lenkt,
kehr' ich des Lebens müde wieder, doch nicht gesättigt.



CCCLXIV


Tenemmi Amor anni ventuno ardendo,
lieto nel foco, et nel duol pien di speme;
poi che madonna e ’l mio cor seco inseme
saliro al ciel, dieci altri anni piangendo.

Omai son stanco, et mia vita reprendo
di tanto error che di vertute il seme
à quasi spento; et le mie parti extreme,
alto Dio, a te devotamente rendo:

pentito et tristo de’ miei sí spesi anni,
che spender si deveano in miglior uso,
in cercar pace et in fuggir affanni.

Signor che ’n questo carcer m’ài rinchiuso,
tràmene, salvo da li eterni danni,
ch’i’ conosco ’l mio fallo, et non lo scuso.



30. August 2013


Amor ließ mich einundzwanzig Jahre glühen,
froh im Feuer und im Schmerz voll Hoffnung;
als dann meine Herrin und mein Herz zum Himmel
aufgefahren sind, ließ er mich zehn weitere Jahre weinen.

Nun bin ich müde, und ich schau mein Leben an,
so voller Irrtum, dass der Keim der Tugend
fast verloschen; und was mir blieb im Äußersten,
o großer Gott, weihe ich untertänig dir:

reumütig, traurig über meine so verbrachten Jahre,
die man doch besser nutzen sollte,
Friede zu suchen und den Streit zu fliehen.

Herr, der du mich in diesen Kerker eingelassen hast,
befreie mich, bewahre mich vor ewiger Verdammnis,
ich kenne meine Schuld, will sie nicht mindern.





CCCLXV


I’ vo piangendo i miei passati tempi
i quai posi in amar cosa mortale,
senza levarmi a volo, abbiend’io l’ale,
per dar forse di me non bassi exempi.

Tu che vedi i miei mali indegni et empi,
Re del cielo invisibile immortale,
soccorri a l’alma disvïata et frale,
e ’l suo defecto di tua gratia adempi;

sí che, s’io vissi in guerra et in tempesta,
mora in pace et in porto; et se la stanza
fu vana, almen sia la partita honesta.

A quel poco di viver che m’avanza
et al morir, degni esser tua man presta:
Tu sai ben che ’n altrui non ò speranza.




31. August 2013


Ich gehe und beweine meine vergangenen Tage,
die ich verbrachte, Sterbliches zu lieben
ohne mich empor zu schwingen, obgleich ich Flügel hatte,
die vielleicht nicht ganz vergebens schlugen.

Du, der du meine würdelosen, verruchten Schwächen siehst,
Herr des Himmels, unsichtbar, ohn Anfang und ohn Ende,
stehe der irrenden und schwachen Seele bei,
begleiche ihren Mangel mit deiner Güte Fülle;

so dass, wenn ich in Krieg und Sturm gelebt,
ich doch in Frieden und in Ruhe sterbe; und wenn mein Aufenthalt
ein eitler war, so sei der Abschied doch aufrichtig.

Den wenigen Tagen, die zum Leben mir noch blieben,
und meinem Sterben sei dein Griff gewogen:
Du weißt am Besten, ich hab nichts anderes zu hoffen.
I’ vo piangendo i miei passati tempi 


CCCLXVI


Vergine bella, che di sol vestita,
coronata di stelle, al sommo Sole
piacesti sí, che ’n te Sua luce ascose,
amor mi spinge a dir di te parole:
ma non so ’ncominciar senza tu’ aita,
et di Colui ch’amando in te si pose.
Invoco lei che ben sempre rispose,
chi la chiamò con fede:
Vergine, s’a mercede
miseria extrema de l’humane cose
già mai ti volse, al mio prego t’inchina,
soccorri a la mia guerra,
bench’i’ sia terra, et tu del ciel regina.

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